CC-Forum Bern, 14.1.12

CC-Forum mit Schwerpunkt Gelände

Die Disziplinleitung Concours Complet lud am 14. Januar nach Bern zum CC-Forum. Nebst einem Rück- und Ausblick mit Infos der Disziplinleitung referierte Crossbauer Rüdiger Rau über das Thema „Distanzen im Gelände“.

65 CC-Interessierte reisten ins NPZ, um über die neusten Änderungen und Ideen der Disziplin Concours Complet informiert zu werden.

B1 finanziert CH-Sport
Yvonne Bont, Ressort-Chefin CC im OKV und professionelle Resultatauswerterin auf den meisten Schweizer CC-Plätzen, zeigte auf, dass im vergangenen Jahr 49% aller Nennungen in der Kategorie B1 eingingen, diese Stufe somit den nationalen Sport zum grossen Teil finanziert. Eine Sturzquote von 0,1% auf 43'927 Geländesprünge lässt die Interpretation zu, dass der CC-Sport in der Schweiz recht sicher ist. Disziplinleiter Peter Attinger griff dies auf und meinte: „Der nationale Sport basiert auf den Stufen B1 und B2, dem Sockel, aus dem wir versuchen, Spitzenreiter zu rekrutieren. Daher kümmern wir uns nicht nur um den Spitzensport – diese Stufen sind für uns die Animationsstufen, verbunden mit der Hoffnung, dass der eine oder andere Reiter aufsteigen wird“.

Gemeinsam zum Ziel
Sportchef Heinz Scheller informierte über den internationalen Sport. Im Jahr 2011 erreichten Schweizer Reiter auf den Stufen Ein- bis Dreistern total 300 Resultate, die mit Rankingpunkten belohnt wurden. Allein auf Stufe Dreistern gab es von 23 Reitern 57 Starts, was einem Aufwärtstrend im Vergleich zu vergangenen Jahren entspricht. Der Leitsatz der Disziplinleitung und des neuen Equipenchefs Hans-Jakob Fünfschilling für die kommende internationale Saison lautet schlicht: "Gemeinsam ein Ziel erreichen". Über die konkreten Vorhaben wurde in der letzten PferdeWoche orientiert. Der Junioren-Verantwortliche, Dieter Bigler, orientierte über sein kleines Kader: "Es ist doch schon eine rechte Anforderung, im Juniorenalter Einsternprüfungen zu reiten“, freute sich aber, dass bereits drei Junioren die Qualifikation für die Europameisterschaften 2012 geschafft haben. Mit Trainings und begleiteten Turnieren wollen sie nun auf dieses Ziel hinarbeiten. Die neue Chefin Pony, Jrina Giesswein, betreut drei Reiterinnen, die zusammen mit den Junioren trainieren dürfen.

Weltmeisterliche Statements
Doris Weidmann, Chefin Junge Reiter, freute sich, dass sie nach einer „durchwachsen erlebten und beendeten EM-Teilnahme in Blair Castle 2011“ drei ihrer Schützlinge ins Perspektivkader entlassen darf, nämlich Ilona Lüdi, Jasmin Gambirasio und Felix Vogg, der ein wenig von seinem Alltag im Stall des aktuellen Welt- und Europameisters Michael Jung berichtete, wo er seit März 2011 stationiert ist. Felix zitierte Michael: "Ich fahre nicht aufs Turnier, um zu trainieren, sondern um zu gewinnen." Trainiert wird also zuhause, und wenn es ein konkretes Problem gebe, wie zum Beispiel die geringe Freude am Wasser, die das eine Pferd von Felix anfangs letzten Jahres bekundete, wird täglich daran gearbeitet. So ritt er nach jeder Trainingseinheit, egal in welcher Disziplin, noch rasch zum Wasserhindernis hoch und galoppierte hindurch. Ein prägnanter Satz, der auch vielen hängen blieb, war seine Aussage über die Stufenwahl: "Man geht erst eine Stufe höher, wenn man sich auf der tieferen Stufe gefestigt hat, und zwar in allen Disziplinen."

Ehrungen
Geehrt wurden die Schweizermeister 2011: Sébastien Poirier (Elite), Ben Vogg (Junge Reiter), Joëlle Bruni (Junioren) und Carla Brunner (Ponys). Erfolgreichstes CC-Pferd 2011 nach Rankingpunkten SVPS wurde Raumalpha, geritten von Patrizia Attinger. Beste Schweizerin auf der CC-Weltrangliste ist Eveline Bodenmüller auf dem 178. Rang. Die international Reitenden wählten Radolfzell einmal mehr zum beliebtesten Turnier auf Stufe Einstern 2011. Bern und Frauenfeld teilten sich den zweiten Rang.

Reglementsänderungen
Peter Attinger orientierte über die wichtigsten Änderungen im nationalen CC-Reglement: Bei den Nachnennungen wurde der Text aus dem Springreglement übernommen. Offizielle Streckenbesichtigungen sind abgeschafft, neu gibt es analog zu internationalen Prüfungen eine Streckenfreigabe. Ohrengarne sind grundsätzlich erlaubt und brauchen keinen Jurybeschluss mehr. Neu braucht es die 10 Rankingpunkte nicht mehr für den Übertritt von der Kategorie B2 zur Kategorie B3. Die Sporenlänge wurde der FEI angepasst und beträgt neu 3,5 cm ab Stiefelschaft. Die FEI allerdings hat die Schweizer FN schon wieder überholt und die erlaubte Maximallänge auf 4cm festgelegt. In der Kategorie B1 und B2 müssen Kombinationen im Springparcours zwingend immer Oxer-Steil sein. Und schliesslich hat der SVPS den Antrag der Disziplinleitung, dass vierjährige Pferde B1 laufen dürfen, gestrichen. Dreiteilige Vollprüfungen sind also für 4-Jährige nach wie vor nicht erlaubt.

Projekt Technik
Marius Marro orientierte über das im November durchgeführte Technikseminar, wo in vier Gruppen Standortbestimmungen und neue Ideen diskutiert wurden. Eine Neuerung liegt bereits vor: Ein vereinfachtes B1-Dressurprogramm kann von den Veranstaltern wahlweise ausgeschrieben werden. Für Offizielle und Richter sollen die vielen vorhandenen Listen des SVPS überarbeitet und die Einstiegsanforderungen angepasst werden. Das Crosstempo soll in allen Kategorien erhöht werden und Hindernisse der jeweils nächst höheren Kategorie sollen vermehrt eingebaut werden. Für die CC-Szene Schweiz möchte man den Regionalverbandsfinal wieder aufwerten und so durchführen wie vor rund zehn Jahren. Auch die positive Einbindung und Wahrnehmung der Pferdebesitzer in Programmheften und mit Unterstützung eines guten Speakers wurde thematisiert. "Es werden nun Wunschleute für die vier Arbeitsgruppen Dressurprogramme, Offizielle, Crossbau und Kommunikation angeschrieben. Im März wird ein neuer Chef Technik gewählt und bis im Juni sollen die weiteren Anforderungsprofile erstellt und die Rekrutierungs-/Weiterbildungskampagne stehen", so Marro zum weiteren Vorgehen.

Distanzen im Gelände
Crossbauer und Pferdewirtschaftsmeister Rüdiger Rau aus Altensteig, der unter anderem für die Geländestrecken in Radolfzell verantwortlich zeichnet, referierte über Distanzen im Geländeteil einer Vielseitigkeitsprüfung. Zur Einstimmung verteilte er Fragebogen über die Auswirkungen von Galoppsprunglängen in unterschiedlichem Geläuf und verschiedenen Hindernisfolgen. Während sich die Galoppsprunglänge bei leicht abfallendem Geläuf verlängert, verkürzt sie sich bei steil abwärts führendem Terrain, wie auch bergauf. Weiter folgten Beispiele mit Treppenkombinationen auf- und abwärts, kombiniert mit Wasser und in Coffins. "Rittigkeit sollte man nicht über die Distanzen abfragen", stellte er nach langjähriger Erfahrung fest. Er verglich die Länge der Distanzen im Springparcours mit denen auf der Geländestrecke – natürlich immer in Abhängigkeit von Bodenbeschaffenheit, Gefälle und "ganz besonders der Umgebung", wie Rau betonte. "Die Lichtverhältnisse und der Hintergrund können die Galoppsprunglänge extrem beeinflussen", hielt er fest. Zum Schluss empfahl er häufiges, angepasstes, nicht zu belastendes Geländetraining: "Es darf nicht zu kurz kommen, Routine ist wichtig. Für mich ist der ausbalancierte Geländesitz unabhängig von der Reiterhand, in Verbindung mit einem gut gerittenen Pferd das Thema Nummer Eins. Aber fast alle halten sich zu stark am Zügel fest. Dabei sollten Pferde die Chance kriegen, selbst mitzuentscheiden, auch um Sicherheit zu gewährleisten." Peter Attinger schloss den Anlass mit den Worten: "Ich wünsche mir von der vorhandenen Quantität mehr Qualität – ergreift die Initiative und trainiert."