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Spezielle Warnung für intellektuell Herausgeforderte

 

"Es geht lo-oos! "

Saisonauftakt in Helvetien: 250 Buschpaare in den B-Prüfungen von Avenches am Karfreitag

(Fotos Simone Gasser und Tamara Acklin)

 

4.4.10/cam. Glücklicherweise ist im offenbar recht katholischen Avenches der Karfreitag kein heiliger Feiertag, an dem man mit Büssermiene missmutig auf Fischgräten im Teller starren muss wie die Calvinisten. Denn so konnte IENA-Chef Jean-Pierre Kratzer es zur Tradition werden lassen, an diesem protestantischen Jammertag den eidgenössischen Buschreiter-Saisonauftakt zu installieren, eine Party, die allerdings aufgrund explosiver Beliebtheit inzwischen zur Generalstabsübung mutiert ist. Kleinhirnige Gumpi-Veranstalter bringen es schon kaum fertig, die Startnummern von Zweipferdreitern soweit auseinander zu nehmen, dass sie anständig anreiten können - aber die wohl weltbeste CC-Sekretärin und Auswerterin Yvonne Bont managete 250 Reiterpaare mit ReiterInnen, die bis zu fünf Pferden in drei verschiedenen Kategorien ritten - und alles klappte wie am Schnürchen. Flexibilität war aber auch von den Hindernisrichtern und Zuschauern gefragt, denn es kam durchaus vor, dass abwechslungsweise nach ein paar B1-Geländerunden wieder ein paar über den B3-Kurs fetzten. 'Seven-to-seven' hiess die Devise für die Geländejury: tatsächlich brausten mit kurzen Unterbrüchen von 07 Uhr morgens bis 19 Uhr abends Konkurrenten im Zweiminutentakt kreuz und quer durch den Military-Garten mit dem legendären Allwetterboden, der bestimmt mitverantwortlich ist dafür, dass sowohl Crossbauer Peter Hasenböhler wie OK-Präsident Kratzer den ganzen Tag über mit gelassenem Schmunzeln dem Ablauf folgten. Man stelle sich vor, wie viel nervenaufreibender das Leben für die Frauenfelder-Crew ist. Bekanntlich kann die schöne Allmend ebenso gut in traum- wie in albtraumhaftem Zustand sein.

Wer sich wie wir IENA bereits um 06 Uhr in der Fruh näherte, sah Technik-Chef Hans Klemm (der selbst durch keinen TÜV käme!) vor seinem Auto mit laufendem Motor, das die Vortrabstrecke beleuchtete, daneben Gestütsveterinär Dominik Burger, der wohl am Anfang mehr nach Gehör als aufgrund optischer Eindrücke die vorgestellten Equiden begutachtete. Tja, was wäre ein eidgenössisches Buschmeeting ohne den grossen Aufwand eines Vet-Checks, der nun wieder so richtig ohne Halbbatzigkeiten reinstalliert wurde. Das gibt doch auch einer kleinen nationalen Basisprüfung ein wenig 'Duft der grossen weiten Welt', wo der Vet-Check oft auch ein Mode- und Kultur-Ereignis ist. Wer sieht schon sonst je britische Reiterinnen im Mini-Jupe? Und neben altgedienten Pferdehändlern zu stehen, wenn Dreisternrosslis vorgetrabt werden, ist auch höchst lehrreich. Ganz soviel Glamour war allerdings auf der Zufahrtsstrasse zum Parkplatz um 6 Uhr nicht auszumachen. Das Ganze wirkte eher etwas behindernd und behindert.

 

SEC-Members mischten kräftig mit!

B3-Schlussrangliste 1. Abteilung

Die Klassierten:


Ben Vogg gewann in überzeugender Manier auf dem Dressurresultat von 47 Punkten mit Noe des Vatys die 1. Abteilung B3; mit seinem zweiten Pferd Opium de Garred klassierte er sich im 6. Rang,

 

mit gleicher Punktzahl, aber einer einzigen Sekunde Überzeit im Gelände und damit auf den zweiten Rang kamen Karin Looser und Santiago S,

 

dicht dahinter der zweite Radolfzeller, Felix Vogg mit Onfire,

 

auf dem vierten Platz folgte ein weiteres vielversprechendes Paar vom Bodensee, das man gut im Auge behalten sollte: Nadine Germann und Montan von Mecklenburg,

 

5. Platz für Christiana Benz mit Romeo, die im letzten Jahr auf Einstern-Niveau in Cameri gut debutierten,

 

7. Platz für die routinierte Easily und die hingebungsvoll auf deren Verlässlichkeit vertrauende Dshamila Wörnhard,

 

8. Rang für Jenny Eicher und Garschino - ein fröhlich-harmonisches Paar, das man bestimmt in diesem Jahr auch in internationalen Prüfungen antreffen wird.

 

Weitere SEC-Members:

13. Rahel Nyffenegger und Lykya de Ban

15. Tina Meier, Westside Story

 

18. Davide Randone, Henry VIII

 

21. Steffi Mylius mit Sky Surfer, das letztjährige B2-Stilcup-Siegerpaar

 

22. Ben Vogg, Kazou

 

23. Sabrina Lengen, Wakpamni

 

24. Felix Vogg, Cool Hand Luc

 

26. Andréa Khatau, Galopin de la Scie (hier mit Jérico du Noyer, 33.)

28. Pierette Glutz, Harrison B

30. Christian Vogg, Bellaney Castle

32. Beata Fischer, Surfing Semilly

nach einer guten Runde mit Wellview Flame fehlte Jacopo Buss plötzlich ein Sprung....

...und eine Glocke. Den einen Verlust konnte er mit hartnäckigem Fischen wettmachen. Leider war es nicht der Sprung...

 

B3-Schlussrangliste, 2.Abteilung

Die Klassierten:

In der zweiten Abteilung lieferten sich Olympiareiterin Tiziana Realini (fleissigste Reiterin des Turniers mit fünf Pferden und einer ganzen Armada liebenswürdig-hilfreicher Geister!) mit Easy Lee und Marilène Gaudet mit Bobsleigh ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz mit gleicher Dressur, fehlerfreiem Springen, fehlerfreiem Cross in der Zeit, das Tizzy schliesslich gewann, weil sie haargenau in der Idealzeit ins Ziel kam, wogegen Marilène eine einzige Sekunde zu schnell war.
Mit Versus CH klassierte sich Tizzy im 7. Rang.

 

Der 5. Rang ging an Altmeister Jakob Röthlisberger mit Imanella - nach wie vor ein stilistisch überzeugendes Paar,

 

auf den 6. Platz ritt Jrina Giesswein mit Ruedi Bossards Haifa Berence, die in allen drei Disziplinen frisch, agil und gut auf die Saison vorbereitet wirkte,

 

10. wurde Patrizia Attinger mit Nachwuchspferd Hilton P - auch dies ein Paar mit viel Potenzial, das es in Zukunft zu beachten gilt.

 

Weitere SEC-Members:

11. Jaqueline Spinner, TRW Harmony

 

12. Jrina Giesswein, Thunder

 

13. Patrizia Attinger, Raumalpha

 

17. Doris Weidmann, Hector Molfront

 

19. Jean-Louis Stauffer, Gossip (und 24. mit L'Odyssee de Beaujour)

 

20. Jrina Giesswein, Esquina

22. Alexandra Dopple, Arissa

 

25. Heinz Scheller, Cory

 

 

 

B2-Schlussrangliste, 1. Abteilung

Hinter Stefanie Bigler (leider noch nicht SEC-Member) mit Bella Donna klassierte sich Tiziana Realini mit Miss Mandy im 2. Rang

Miss Mandy kam relativ ''geländegrün' aus dem Springsport und machte ihre Sache ausgezeichnet!

 

B2-Schlussrangliste, 2.Abteilung

Die sympathische Baselbieter Jungreiterin Salome Lüdi landete einen Doppelsieg mit den Nachwuchspferden Mystery (Foto) und Polara CH.

 

Jaqueline Spinner ritt Eva Bienz' Chase in beeindruckender Manier fehlerlos und harmonisch auf den guten 4. Schlussrang.

 

B1-Schlussrangliste, 1. Abteilung

In dieser Abteilung waren keine SEC-Mitglieder am Start. Einzig Alt- (und hoffentlich bald wieder :-) SEC-Mitglied Marisa Cortesi klassierte sich mit ihrem Nachwuchspferd Peanuts auf dem ausgezeichneten 2. Platz.

 

B1-Schlussrangliste, 2. Abteilung

Mit gewohnt brillanter Dressur (39!) setzte sich Esther Andres mit ihrem Nachwuchspferd Inster an die Spitze und gab mit makellosen Runden im Springen und im Gelände die Führung auch nicht mehr ab.

 

3. wurde Tiziana Realini mit Walino BJK CH - auch sie beendeten auf dem Dressurresultat (leider kein Bild!)

 

auf den 4. Platz ritt Tamara Acklin die Trakehner-Dame Light of Polaris bei ihrer CC-Premiere in der Schweiz. Poly scheint von der Annahme auszugehen, es gebe Bonuspunkte, wenn man bis in die Mitte des Teichs springt :-)

 

6. wurde Sven Betge mit der talentierten Cacahuette de Reselle (leider kein Foto)

 

und im 12. Rang klassierte sich - ebenfalls bei der Premiere in Helvetien und seiner ersten ganzen CC-Prüfung überhaupt "Hängschtli-Gschpängschtli" alias Moustiqe aus Oldenburry.

 

Fragen für ein andermal

Man darf mit Fug und Recht diskutieren, wie viel es zur Sicherheit unseres Sportes beiträgt, wenn die an sich begrüssenswerte Idee, dass Basisreiter lernen sollten mit Tempogefühl zu reiten, über Strafpunkte für zu schnelles Reiten eingebleut wird. In der Babystufe B1 mag es etwas helfen, aber bereits auf Stufe B2 und erst recht im B3 zeigte sich die etwas gar lehrmeisterhafte Massnahme in Avenches bereits als kontraproduktiv, indem Reiter, die wissen wollten, wie sich das schon in Frauenfeld zu reitende Einsterntempo 520m/min. anfühlt, dann einfach vor dem letzten Sprung in den Trab parierten und teilweise sogar im Schritt durchs Ziel ritten oder gar anhielten vor der Ziellinie. Oft war dieser schwunglos angerittene letzte Sprung dann auch gleich der schlechteste und unsicherste der ganzen Runde. - Man wird jetzt eine Saison lang Erfahrungen machen mit der neuen Regelung und sie dann vielleicht auf die Einsteigerstufe beschränken. Die mir sinnvoll scheinenden Minutentafeln waren hingegen nicht auszumachen - wäre vielleicht auch schwierig gewesen, da alle drei Kurse sich ständig kreuzten.

Eine weitere Frage ist, ob die B-Kurse wie im Hamburger Derby zwingend jedes Jahr fast haargenau gleich sein sollen. Natürlich hat das Vorteile, aber mit all den tollen Möglichkeiten in Avenches wäre es auch reizvoll, hier etwas Abwechslung reinzubringen. Auf anderen Plätzen in der Schweiz sind ja die Variierungsmöglichkeiten oft aus infrastrukturellen Gründen viel eingeschränkter.

Auf jeden Fall ist der die Saison im Alpenland eröffnende Karfreitagsanlass, der auch wettermässig sehr erfreulich ausfiel, aus dem Schweizer CC-Kalender nicht mehr wegzudenken. Damit ist der Winter-Böögg für die Buschpiloten bereits verbrannt, über zwei Wochen bevor die Zürcher das auf der Sechseläuten-Wiese (die keine Wiese mehr ist) nachholen.