Bericht und Fotos Stilcup-Final

Patrizia Attinger und Raumalpha in Bern 08
6.10.09/cam. Nach dem im doppelten Sinne schmerzlichen Verzicht auf die EM YR in Waregem vor drei Wochen wegen des nicht genügend verheilten Schlüsselbeinbruchs griff Patrizia Attinger nun im CNC* in Bern wieder ins Geschehen ein und siegte mit Raumalpha nach überzeugenden Leistungen in allen Disziplinen.

Tiziana Realini und Valentino Flying in Cameri 08
Dicht dahinter kam Olympiareiterin Tiziana Realini mit dem Dressursieger Valentino Flying auf den Ehrenplatz. Das Paar bestritt vor einem Jahr die Dreisternprüfung in Cameri, fehlte diese Saison aber verletzungsbedingt längere Zeit.
Erfreulich die Leistung von Stefanie Bigler, die diesmal mit La Mirza ihr gutes Dressurresultat ohne weitere Strafpunkte ins Ziel brachte und verdiente Dritte wurde.

Jrina Giesswein und Haifa im CIC** von Laintal 09
Auf dem vierten Platz mit Jrina Giesswein und Haifa bereits wieder ein Paar, das schon in grösseren Prüfungen erfolgreich war. Die beiden landeten im Sommer bei einer Zweisternprüfung im österreichischen Laintal auf dem ausgezeichneten zweiten Platz.

Doris Weidmann und Hector Molfront in der Dreisternprüfung von Marbach 09
Auch auf dem 5. Platz fand sich mit Doris Weidman und Hector Molfront ein routiniertes Paar, das mit den Anforderungen im Gelände nur so spielte und auch locker in der Zeit ins Ziel galoppierte.
Gute Sechste wurde die Genferin Marilène Gaudet mit Bobsleigh.

Nadine Germann und Montan von Mecklenburg beim SEC-Hardwiese-Training 09 mit Nick Turner
Auf dem siebten Rang schliesslich SEC-Member Nadine Germann, die mit ihrem Montan von Mecklenburg einen ausgezeichneten Einstand auf Einsternniveau gab.

Sven Betge mit Wapper in Inzlingen 09
Die beiden Ränge 8 und 9 besetzte der Basler Routinier Sven Betge mit Wapper und Grand Slam.

Tamara Acklin und Lutine de Brenil, CCI** Laintal
Ins Klassement reichte es auch noch den beiden SEC-Members Tamara Acklin mit Lutine (10.) und Jaqueline Spinner mit Henry (11.)

Jaqueline Spinner und Henry the Eight in Salgen 08
Moderner Crossbau
Das Team um den erfahrenen Crossbauer Peter Hasenböhler präsentierte den zahlreichen Teilnehmern in den drei verschiedenen Kategorien durchwegs schöne, pferdefreundliche und doch interessante Strecken. Immer wieder wurden Aufgaben zuerst leichter und dann etwas schwieriger gestellt. So gab zum Beispiel die Einsternstrecke mehrfach Gelegenheit in der ersten Hälfte, Hindernisse leicht schräg anzureiten und sich so auf eine der Schlüsselaufgaben vorzubereiten, die bei den Sprüngen 11 und 12 und 13A und B warteten. Die beiden wunderschön halbrunden und mit weichen Besen nach oben abgeschlossenen Sprünge 11 und 12 standen hangabwärts und konnten entweder in einem bereits recht schrägen Winkel direkt mit zwei Galoppsprüngen oder einzeln senkrecht mit einer Volte dazwischen bewältigt werden. Hier zeigte sich, wer die Hausaufgaben gemacht und sich während der Strecke auf diese Herausforderung vorbereitet hatte. Versetzte Sprünge gehören heute zum Standard in fast jeder FEI-Prüfung. Sie prüfen die Korrektheit der Hilfengebung, die Akkuratheit und Präsenz des Reiters, aber auch das Vertrauen und das Mitdenken des Pferdes - und die Fehler, die entstehen, sind in aller Regel völlig harmlose Vorbeilaufer, übelstenfalls einmal ein Runterpurzler. Wer die Strecke von Fontainebleau studierte, sah dieselbe Anforderung - natürlich der Kategorie angepasst im Schwierigkeitsgrad - an der eines der renommiertesten Paare der Welt, Ingrid Klimke mit Abraxxas, scheiterte.
Was ebenso zum Standard jeder internationalen Prüfung gehört heute sind schmale Sprünge. Man kann sie mehrfach als Kombinationen setzen, mit Wendungen verbinden, am Schräghang platzieren usw. Was von Hasenböhler meines Erachtens zu Recht kritisiert wurde am Crossbau von Fontainebleau, was die Steilheit und der fehlende weiche Abschluss bei den schmalen Sprüngen (Hindernis 14), die zu so vielen Stürzen und Ausfällen führten. In Bern war die bekannte schmale Triple-Hecke aus Avenches geschickt platziert: nach einem Tiefsprung folgte in durchaus genügend grosser Distanz ein 90 Grad-Wendung nach links und dann der schmale Hochweitsprung. Auch hier wurden die Reiter klug auf künftige Aufgaben vorbereitet. Bei der Kombination 13A/B wurden dann beide Aufgaben gleichzeitig in leichterer Form abgefragt: zwei relativ schmale Sprünge, schräg auf direktem Weg oder mit einer kleinen Wendung zu reiten.
Wider den tierischen Ernst...
Dass die Berner ihrer sprichwörtlichen Dickschädligkeit zum Trotz aus dem Unfall vom vergangenen Jahr gelernt hatten und den 'Kobi-Röthlisberger-Gedenk-Baum' diesmal aussen vor liessen, rundet das positive Bild von 'Bern 09' ab. Das NPZ machte sogar eine schmunzelnd-versöhnliche Geste und schenkte dem im CNC* wiederum mitreitenden Altmeister Jakob Röthlisberger ein eigens für ihn in der NPZ-Schmitte geschmiedetes Zierhufeisen, mit dem man in Zukunft bei allfällig anzutreffender Dickschädligkeit wirksam anklopfen kann.
Die Lacher auf seiner Seite hatte auch Jurymember und Tonmeister Rico Vittori, der allen, die die Rangliste von hinten anführten, eine eigens gravierte Schlusslaterne überreichte. Früher habe man die Frauen mit einer solchen Laterne gesucht - und wenn man bei Tagslicht schaue, so merke man das auch, meinte der nie um einen Witz verlegene Rico. Wenn man ihn so ankuckt, könnte man den Spruch allerdings auch umdrehen und sich fragen, bei wie schummrigem Licht die nachmalige Frau Vittori denn wohl gesucht habe...