CNC Ecublens 4.9.2010

Resultate: www.mybo.ch

 

STILWERTUNG B1

Resultate Final Stilcup Wegelin & Co B1 2010

Bericht von Stilrichter Hans-Jakob Fünfschilling vom 9.9.2010:

"Herrlich, die Geländeanlage auf dem Betrieb « La Garance » in Ecublens bei Lausanne. Herrlich ebenfalls, das top Wetter und die Bodenverhältnisse, alles optimal für einen Stilcup Final. Nur leider sind nicht alle Finalqualifizierten nach Ecublens gekommen. Für viele war möglicherweise der Weg in die Westschweiz etwas lang.

Die beiden Verantwortlichen Stilrichter, Sepp Burger und Hans-Jakob Fünfschilling, freuten sich auf Ihre Aufgabe, für die Reiter eine objektive Hilfestellung zur Verbesserung ihres Reitstiles mit einer Bewertung beizutragen. Das Ziel ist, dass das Geländereiten unfallfreier wird durch besseres Reiten. Nur leider war, des ansonst sehr guten Geländebaus, das Hindernis n°5 die ganz grosse Klippe. Die meisten, noch relativ unerfahrenen Reiter, wussten leider noch nicht damit umzugehen und mussten nach dreimaliger Verweigerung ausscheiden. Schade, dass leider kein Alternativsprung gebaut wurde. Von den wenigen, wurden es immer noch weniger.

Herzliche Gratulation an die Preisträger und Dank an den Anlagebesitzer Herr William de Rham, an die Organisatoren und an die Helfer."

 

Kommentar von Christoph Meier vom 9.9.2010

Es war wohl nicht wirklich klug von uns, den Final des vom Teilnehmerfeld her doch etwas deutschschweiz-lastigen Stilcups nach Ecublens zu vergeben. Es war einfach die zweitletzte B1-Prüfung im Jahr.

Die letzte findet im NPZ Bern statt und dort hat man leichte Vorbehalte, ob mehr gegen den Stilcup, bei dem gewisse zwangsweise mitgerichtete wichtigere Funktionäre nicht immer so toll benotet wurden, sei es gegen mich als journalistischen Motzer wegen der Veranstaltung vor 2 Jahren, als mein lieber Freund Jakob Röthlisberger bei einem auf Kopfhöhe unmittelbar vor einem Sprung quer wachsenden Baum vom Pferd gefegt wurde und mit Hirnerschütterung liegen blieb - und einer der dickschädligen Crossbauer vom Verunfallten weglief, sich den 10 Millionsten Glimmstengel ins Gesicht schob und schnoddrig befand, der Reiter hätte ja beim Cross-Abgehen besser schauen können. Dass ein Fehler passiert beim Geländebau, mag angehen, dass man aber noch derart arrogant-kaltschnäuzig-herzlos reagiert, wenn man einen Unfall zumindest mitzuverantworten hat durch hanebüchene Linienführung und der TD sich auch noch wenig einsichtig zeigt, ist inakzeptabel und da ist es mir piepegal, wenn ich zur persona non grata werde, nur weil ich es wage, auf solche Charaktermängel hinzuweisen. Immerhin, die Chefin der Verantwortlichen liess dem gottlob wieder genesenen Jakob im Folgejahr ein spezielles Geschenk überreichen und zeigte damit, dass sie mehr Stil hat als gewisse Untergebene.

Zurück zu Ecublens: Trotz der für eine Basisprüfung doch erklecklichen Preissumme und dem bekannterweise wunderschönen Ambiente von 'La Garance' fanden nur gerade 8 der 30 Finalqualifizierten den Weg in die Romandie. Von diesen 8 blieben 4 in der offenbar etwas zu schwierig geratenen Cross-Strecke hängen.

I.U. zu den oben zitierten Bernern gab der verantwortliche Geländebauer Cédric Patthey unumwunden sofort zu, dass er sich mit dem Hindernis vor dem Wasser verwählt habe, gab aber auch seiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass weder TD noch Jurypräsident noch die Reiter sich vor der Prüfung dazu äusserten. Einzig Stilrichter Fünfschilling wies auf den zu hohen Schwierigkeitsgrad hin - aber unmittelbar vor Prüfungsbeginn hätte eine Änderung wahrscheinlich den Zeitplan durcheinander gebracht, da man den Reitern nochmals Gelegenheit zur Besichtigung hätte geben müssen. Dies zeigt, dass es manchmal eben doch besser ist, nicht nur typisch schweizerisch die Faust im Sack zu machen und erst am sicheren Stammtisch nach der Schlacht das Maul aufzureissen, sondern rechtzeitig VOR der Prüfung Zivilcourage zu zeigen, vor allem wenn man als TD bzw. Jurypräsident ja genau dafür da ist, allfällige Unstimmigkeiten zu korrigieren. Dieses über Mängel Hinwegsehen um des lieben Friedens willen - und um wieder eingeladen zu werden - kann im üblen Fall Pferde- oder Menschenleben kosten. Vielleicht wäre es an der Zeit, die Funktionäre mit griffigen Pflichtenheften darin zu unterstützen, ihre Pflichten auch unter Freunden kompromisslos wahrzunehmen? - zurzeit existieren zumindest im CC-Bereich nur gummige Blabla-Texte ohne das geringste Profil.

Dass von den vier Preisträgern nur gerade ein einziges Paar die Geländestrecke fehlerfrei absolvierte, schmerzt ganz leicht. Denn es geht beim Stilcup nicht nur darum, hübsch und fotogen auf dem Pferdchen zu sitzen. Wir möchten zeigen, dass im CC stilsicheres Reiten auch funktionelles und damit erfolgreicheres, sichereres Reiten bedeutet. Mit dem Sieger Ralph Lutz haben wir aber insofern Glück gehabt, als er schon unzählige Male auch auf internationalem Parkett bewiesen hat, dass es bei ihm stimmt mit der Übereinstimmung von Stil, Funktionalität und Sicherheit. Er hat auch im vergangenen und in diesem Jahr mit verschiedenen Pferden im Stilcup mitgeritten und regelmässig gute Leistungen gezeigt. So können wir als Verantwortliche nochmals durchatmen und ihm herzlich zu seinem Finalsieg gratulieren!


Ralph Lutz mit Jack in the Box in Saumur 2007 - auch hier in gepflegtem Stil!

Auch die Zweitklassierte Pia Menzi hat schon mehrfach bewiesen, dass sie stilbewusst und sicher reitet. Hier im Stilfinal B2 2009 in Bern mit Lothard

Claudia Suter (3.) und Karin Huber (4.) haben den weiten Weg nach Ecublens nicht gescheut und sind dafür belohnt worden - auch das ist ok!

Aber für das nächste Jahr werden wir uns Gedanken machen müssen, wie es weitergehen soll mit dem Stilcup. Die interessierten ReiterInnen können sich selbstverständlich an der Debatte beteiligen. Eine tolle Alternative wäre, reine Geländestilprüfungen auszuschreiben ähnlich wie in Deutschland. Da würde dann nicht nur der Stil des Reiters sondern auch die Eignung des Pferdes für den CC-Sport beurteilt. Die Kommentierung und Notengebung erfolgt LIVE per Lautsprecher während und unmittelbar nach dem Ritt. Die Geländestrecke wird so angelegt, dass die Richter alles überblicken können. Ein weiterer Vorteil gegenüber der heutigen Lösung wäre, dass nurmehr Paare beurteilt würden, die das ausdrücklich wollen und dies durch ihre Anmeldung bekunden. Heute ist es ja noch so, dass die Stilwertung einfach gewissen Basisprüfungen übergestülpt wird und jemand, der das nicht möchte, die Prüfung gar nicht reiten kann ohne automatisch stilmässig beurteilt zu werden. Dieses Problem könnte man auch lösen, indem man bei der Nennung angeben könnte, ob man bei der Stilwertung mitmachen wolle oder nicht.

Das von Beginn weg ins Auge gefasste Fernziel, dass die Stilwertung zur normalen Prüfung gehört, ist bei der verstockten und komplizierten Reglementssituation und den unzähligen Bürokraten, die jeder Neuerung im Weg stehen, wahrscheinlich in den nächsten rund 100 Jahren illusorisch. Zumindest wäre es meines Erachtens sinnvoller, den Basisreitern mit einer Stilwertung weiter zu helfen als mit unlösbaren Geländeaufgaben. Jedes Paar, das in einer B1-Prüfung ausscheidet, ist eines zuviel. Genau deshalb haben wir doch aus den früheren B die heutigen B1-B3 gemacht, um wirklich ganz kinderleichte Einstiegsprüfungen anbieten und in den B3-Prüfungen die Paare auf den Einstieg in den internationalen Sport vorbereiten zu können. Damit dann doch noch ein pädagogisches Ziel erreicht wird, wenn fast alle fehlerfrei durchs Gelände kommen, kann man den Stil bewerten. Aber im laufenden Jahr war es so, dass unzählige Paare frustriert ausschieden in den Baby-Prüfungen. Nur gerade der OKV bietet hier mit seinen Jump Green Prüfungen eine Alternative an. Denn wo sollen die Anfänger überhaupt das CC-Reiten lernen? In Frauenfeld, wo 10 Sekunden nach dem letztenStart an der einzigen Prüfung im Jahr alles wieder abgeräumt wird und die wenigen halbverfaulten Baumstämme, die man stehen lässt, noch mit riesigen Ketten abgesperrt werden? Wir fahren mit Babys nach wie vor durch die halbe Schweiz nach Avenches, weil es in der ganzen Deutschschweiz kaum einen brauchbaren Trainingsplatz gibt - Bülach und Aarau vielleicht ausgenommen, wo es doch ein paar wenige Dinge zum Üben hat. Aber es gibt Silberstreifen am Horizont. Stephan Döll hat bereits heuer auf den neuen Plätzen in Barzheim und Birchwil Trainings organisiert, die regen Zuspruch fanden. Und wenn der liebe Werni Hediger als Schwager einer Altinternationalen CC-Reiterin und der verdienstvolle ebenfalls Altinternationale CC.Mann und Bau-Vorsteher Adrian Kunz dann rund um die tolle neue Sporrer-Halle in Winterthur auch noch ein paar Baumstämme und Gräben hinzaubern, können wir vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft sogar in nächster Nähe ein bisschen CC-Sprünglis üben. Wie heisst es doch so schön: die Hoffnung stirbt zuletzt...