CNC ERSIGEN 17.-18.9.2010

Resultate: www.mybo.ch

 

Final Stilcup Wegelin & Co. B2 2010

Rangliste

Fotos der 10 besten StilfinalistInnen

(diese und weitere Fotos können bei Serge Petrillo, www.photoprod.ch, bestellt werden!)

1. Stephanie Fankhauser, Walton, 8.6

2. Tamara Reinhard, Chemara von Kappensand, 8.5

3. Eva Siegenthaler, Nubia, 8.4

4. Marisa Cortesi, Peanuts, 8.3

5. Bettina Sartori, Rabin, 8.2

6. Anna Zemanska, Staropramen, 8.1

7. Brigitta Stek, Leila, 8.1

8. Daniela Grosswiler, Anemone, 8.0

9. Peter Christen, Julienas, 7.5

10. Teresa Stokar, Muscot, 7.4

 

Begeisternder Schluss der Stil-Saison 2010 in Ersigen

19.9.10/cam.

Ersigen bot einen ausgezeichneten Rahmen für unsere Stilfinalprüfung und wir möchten uns auch an dieser Stelle bei den Veranstaltern und ganz besonders beim für den wunderschönen Geländebau verantwortlichen Hansruedi Bigler bedanken. Nach doch einigen völlig verunglückten B-Prüfungen in dieser Saison war es ein Genuss, eine nicht nur fachkompetent und stufengerecht, sondern auch liebevoll und mit viel Sinn für Ästhetik hergerichtete Strecke anzutreffen. Jedes einzelne Hindernis war mit viel Umsicht und Verstand gebaut und am richtigen Ort auf der Strecke platziert worden. Auch der konditionelle Aspekt mit den beiden Steigungen war stufengerecht integriert und die Herausforderung an Balance und Rittigkeit mit zwei bergab zu galoppierenden Passagen ebenfalls. Es war nicht einfach ein Kinderspiel, aber eben stufengerecht, wie der Fence-Report zeigt. Bei B1- und B2-Prüfungen sollten alle Teilnehmer eine reelle Chance haben, ihr Pferd ins Ziel reiten zu können. Es geht bei Basisprüfungen primär um Motivation von Reiter und Pferd - und nicht um die Selektion für eine B-Weltmeisterschaft, wie man andernorts den Eindruck haben konnte. Entsprechend sah man viele glückliche Gesichter und zufriedene Pferde in Ersigen. Herzlichen Dank! Wir kommen wieder!

 

Fortschritte im stilsicheren Geländereiten

Nach zwei Saisons mit insgesamt 16 stilbewerteten B2-Prüfungen glauben wir klare Fortschritte zu sehen. Viele ReiterInnen scheinen bewusster auf die für die Stilwertung ausschlaggebenden Punkte zu achten, also auf einen guten Rhythmus mit möglichst wenig 'stop-and-go' oder Rhythmusbrechern, auf ein frisch vor dem Bein aufwärts und geschlossen galoppierendes Pferd, auf ruhige Hände, die nicht einseitig intervenieren, auf einen leichten Sitz, der in der Sprung- und Landephase tendenziell in den Sicherheitssitz übergeht, auf einen Unterschenkel, der vor, während und nach dem Sprung treibend unmittelbar hinter dem Gurt liegt, auf einen ruhigen Oberkörper, der keine Pumpbewegungen und kein übertriebenes Vornüberklappen zeigt, auf einen beweglichen Kopf-Hals-Bereich und einen wachen, vorausschauenden Blick.

Die 30 FinalistInnen fielen natürlich besonders positiv auf, was sich auch in der Bewertungspalette von 8.6 bis 6.0 zeigt. Barbara Papapietro (ex Welten) und ich haben natürlich auch die nicht zum Final zählenden ReiterInnen kritisch begutachtet, und da war es nur gerade ein einziges Paar, das uns fast schon wieder Spass machte und das wir aus reiner Rücksicht nicht gefilmt haben, bei dem noch gar keiner von all den oben erwähnten Leitgedanken angekommen zu sein schien. Einhändig am halblangen Zügel in schlapp-müdem Galopp kam der Reiter in langen Bügeln stehend einher geritten, die zweite Hand mit der Peitsche permanent hinten am Auffordern, aber völlig ohne die geringste Reaktion beim Pferd auszulösen. Über die wunderschönen kleinen Sprünge, die fast alle mit grosszügigem 'Fuss' ausgestattet waren, klappte das durchaus und der Reiter kam gemütlich und sogar fehlerfrei ins Ziel - aber mit CC-Reiten hatte diese Vorführung wenig bis nichts zu tun. Doch wie gesagt: das war die einsame Ausnahme. Im Übrigen wurde weitgehend sicher und stilistisch gut geritten und es war gar nicht einfach, bei den Besten noch eine Rangfolge zu erstellen.

Da ich zurzeit erst über Fotos von Tamara Acklin mit unseren beiden Pferden verfüge, die ich schiessen konnte, da beide nicht zum Stilfinale zählten, und über ein paar wenige von der 5.klassierten Bettina Sartori mit Rabin, bei der ich jemanden dazu überreden konnte, schnell ein paarmal abzudrücken, wird die Bebilderung vom aktuellen Anlass in Ersigen vorläufig etwas einseitig ausfallen. Wer über Fotos der FinalistInnen verfügt, ist mithin herzlich eingeladen, uns diese zuzustellen. Wir werden sie umgehend veröffentlichen. Bei den Gewinnern muss ich mir vorläufig mit Archivbildern behelfen, so vorhanden. Aber als Illustration für das, was letztlich nach teils intensiven Diskussionen zur vorliegenden Rangliste führte, können auch die vorhandenen Bilder dienen. Alle Fotos stammen aus dem Bereich zwischen Sprung 6 und 14, den wir als Stilrichter überblicken konnten.

Tamara mit Haya/Svenja unterwegs zu Sprung 7: schöner Aufwärtsgalopp, gute Körperposition, gerade Linie vom Ellbogen zum Pferdemaul; in dieser Phase sah man bereits deutliche Unterschiede unter den Paaren. Einige Pferde waren schon etwas lang nach der ersten Steigung zwischen Sprung 2 und 3 und der langen Galoppstrecke zwischen 6 und 7;

der aufmerksame Sprung von Haya über die hübsche Hecke Nummer 7 passt zum vorherigen aktiv-geschlossenen Aufwärtsgalopp. Dazu ist allerdings zu sagen, dass das Pferd diese Grundspannung und Leistungsbereitschaft von sich aus anbietet und - als Schattenseite dieses Übereifers - Mühe bekundet, die in der Dressur gewünschte Losgelassenheit zu zeigen;

Hier dieselbe Reiterin mit Light of Polaris ebenfalls in guter Manier über denselben Sprung 7; hier sah man viele gute Bilder, nur wenige Reiter liessen ihre Pferde auseinanderfallen; nach leichtem Anstieg folgte ein Wegübergang mit Aufsprungkombination



Bei der Kombination 8a-8b war ein kleiner Aufsprung, nach ca. 9 Metern gefolgt von einem Baumstamm zu überwinden. Beim Aufsprung sah man einige Reiter zu weit vorgeneigt, mit fliehendem Unterschenkel, mit zu langen Zügeln und entsprechend dann zu wenig geschlossenem Pferd vor dem allerdings stufengerecht sehr harmlosen 8b. Aber bereits in einer B3 könnte hier ein etwas anspruchsvollerer Aussprung stehen, der ein gut unterspringendes geschlossenes Pferd erfordert. Haya und Tamara machen ihre Sache gut. Haya springt weit nach vorn und ist bereits im ersten Galoppsprung wieder schön geschlossen. Der Schenkel ist durchwegs gut platziert und bereit, treibend einzuwirken. Einziger Schönheitsfehler: vor lauter Aufmerksamkeit nimmt Haya den Kopf etwas stark hoch und wird etwas eng (Martingal-Knick)

Hier derselbe Moment mit Light of Polaris. Auch hier stimmt alles ausser dem leichten Knick in der Verbindung Hand-Pferdemaul.

Dass Haya bei 8b geschlossen und aktiv vor dem Bein war, lässt sich auch an der Landephase ablesen; die Reiterin ist mit ihrem Schwerpunkt genau über dem Schwerpunkt des Pferdes und gut positioniert, um gleich beim ersten Galoppsprung wieder einwirken zu können.

Guter 'Safety-Seat' in der Landephase mit 'Poly' bei Sprung 10: Absatz tief, Schenkel am Gurt, Gewicht aus dem Sattel, aber Körper ganz leicht hinter dem Schwerpunkt für den Fall, dass die Landestelle etwas rutschig wäre oder es aus sonst einem Grund zu einer Irritation im Bewegungsfluss käme; gute Zügelverbindung: das Pfed hat so viel Freiheit, wie es braucht, hat aber doch Anlehnung, sodass die unmittelbar folgende Wendung gut eingeleitet werden kann.

Anhand dieses Bildes von Haya über den Grabensprung 11, dem unmittelbar eine Rechtswendung folgte, lässt sich gut das sowohl effiziente wie stilistisch saubere Führen im Gelände zeigen: das Pferd ist nicht gebogen, sondern springt in sich gerade; die Reiterin wirkt auch nicht mit einseitigem Ziehen am inneren Zügel; sie öffnet nur leicht die innere Hand und zusammen mit dem in die Reitrichtung gewandten Oberkörper, Kopf und Blick kommuniziert sie dem Pferd klar, dass es nach rechts weiter geht, was Haya mit einer leichten Drehung des Kopfes nach rechts quittiert - und mit der Bereitschaft, im Rechtsgalopp zu landen, die man an der Haltung der minimal versetzten Vorderbeine erkennt.

Bettina Sartori mit Rabin in derselben Phase: auch bei ihr ist die Kommunikation völlig klar, wie es weitergeht...

...Rabin landet rechts und ist dank perfekter Position und guter Einwirkung des korrekt platzierten Unterschenkels nach dem Landen gleich wieder bereit für die nächste Aufgabe.

Von den 8 besten Stilpaaren in diesem Final waren alle brillant im von uns bewerteten Bereich zwischen Hindernis 6 und 14, was sich ja in den ausgezeichneten Noten von 8.0 bis 8.6 zeigt. Es waren Winzigkeiten in all diesen bei den Fotos erwähnten Punkten, die dann letztlich den Ausschlag gaben für die Rangreihenfolge. Mir fiel auch auf, dass das 'Schönreitenwollen' sogar kontraproduktiv sein kann. Vor allem die Prüfungssiegerin und sichere Stilistin Marisa Cortesi bemühte sich mit ihrem bildhübschen Peanuts derart um stilistische Perfektion, dass dabei die Dynamik und Frische des Pferdes in der bewerteten Passage etwas verloren ging.

Dann spielte wie immer im Sport auch noch etwas Glück und Pech mit.


Eva Siegenthaler ritt Nubia auf den 3. Finalrang mit einer Wertnote von 8.4; hier beim Stilfinal 09 in Bern

Wer just im bewerteten Bereich einen kleinen 'Verkucker' drin hatte wie die immer stilistisch sehr überzeugend reitende Eva Siegenthaler (die ab nächster Woche allerdings dann Weber heisst: wir gratulieren!), oder wer wie Urs Wächter nach perfekter, dynamischer Passage und mit einem frisch und geschlossen vor dem Schenkel galoppierenden Ambri du Pichoux in der letzten Kurve etwas die Balance verlor, hatte die Sieges-Chancen vertan, da es einfach noch ein paar perfektere Paare gab bei diesem hochkarätigen Finale..


Urs Wächter und Ambri du Pichoux, hier in Frauenfeld 09


Chemara vom Kappensand, hier mit Brigitte Peterhans im CIC* Radolfzell 09

So war es schliesslich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Tamara Reinhard mit der stupend galoppierenden Chemara vom Kappensand (der man ansah, dass sie bereits über internationale Erfahrung verfügt, siehe Bild) und Stephanie Fankhauser, die ihren grossrahmigen Walton ausgezeichnet vor dem Bein hatte, gut führte und effizient unterstützte. Beides sah sehr überzeugend aus - das unerfahrenere Pferd so gut vorzustellen war aber vielleicht die ein klitzeklein wenig grössere stilistische Leistung.


Stephanie Fankhauser und Walton, in Bern im Mai 10

Aber wie gesagt, das waren Nuancen und andere Stilrichter hätten die ersten acht Paare vielleicht in anderer Reihenfolge angeordnet. Hauptsache ist: es wurden zum Teil richtig gute Runden gezeigt, die sich auch auf internationalem Parkett sehen lassen dürfen; ReiterInnen, die man mit gutem Gewissen auch auf schwierigere Kurse schicken darf. - Und das ist letztlich ein wesentlicher Hintergedanke hinter der Stil-Reiterei: wir möchten das Bewusstsein für stilsicheres und effizientes Geländereiten fördern und den erfolgreichen Paaren Mut machen, sich an grössere Herausforderungen heran zu wagen. Wir sind uns aber bewusst, dass es dazu nicht nur stilsichere ReiterInnen, sondern auch für den anspruchsvolleren CC-Sport geeignete Pferde braucht. Deshalb tragen wir uns mit dem Gedanken, im kommenden Jahr Stilgeländeprüfungen nach deutschem Vorbild anzubieten, bei denen Pferd und Reiter bewertet werden und der Kommentar live während des Rittes per Lautsprecher erfolgt. So haben die Reiter ein Feedback nicht nur zu ihrer eigenen Leistung, sondern auch zur Eignung ihres Pferdes - natürlich immer aus der relativen Sicht der gerade amtierenden Stilrichter. Dies könnte ein Beitrag dazu sein, dass in einer frühen Karriere-Phase ein spezielles Augenmerk auf die Eignung junger CC-Pferde für grössere Aufgaben gelenkt würde.