CNC BÜLACH 28.-29.5.2011

Alle Resultate: www.mybo.ch

Resultate Stilcup B2

31.5.11/cam.

Weder Dressurrichter noch Stilexperten müssen sich ständig einig sein - im Gegenteil: Der Grund, warum wir wenn immer möglich nicht nur eine einzige Person eine Vorführung bewerten lassen, ist ja gerade dieser gesunde Dissens, der zu Debatten führt, was denn jetzt wirklich so toll oder so grauslich war an einer Lektion oder einer Cross-Passage. Oft entstehen die unterschiedlichen Bewertungen natürlich aufgrund der banalen Tatsache, dass die eine etwas sieht, was der andere verpasst - oder aus seiner Position gar nicht sehen kann. Bei der Stilbewertung, wie wir sie jetzt in der dritten Saison in der Schweiz durchführen, nämlich angehängt an eine ganz 'normale' B-Prüfung, kommt erschwerend hinzu, dass die Strecken nicht so gebaut sind, dass man sie von einem Punkt aus gesamthaft einsehen kann (wie das z.B. in Deutschland der Fall ist, wo die Strecken eben ausschliesslich für den Zweck der Stilwertung angelegt werden). Wir müssen also jedesmal eine Wahl treffen, welche gut einsehbaren Passagen wir bewerten können bzw. wollen. Der nächste Stressfaktor ist die Startkadenz bzw. das Zeitintervall zwischen zwei Startern. Wenn zwei Reiter unterwegs sind und es regelmässig vorkommt, dass beide gleichzeitig in einem für die Bewertung ausgewählten Bereich sind, können nicht mehr beide Experten dasselbe beobachten und debattieren, sondern müssen ihre Aufgaben aufteilen. Genau so war es häufig in Bülach dieses Jahr. Glücklicherweise hatten wir zwei Schreiberinnen, sodass jeder 'seiner' Assistentin diktieren konnte. Da mit Hannes Wendt und mir zwei ähnlich rede- und entscheidungs- und durchsetzungsfreudige Herren am Werk waren, gab es entsprechend viele Ritte, die wir unterschiedlich bewerteten. Ich finde, dass sich die Buschreiter-Gemeinde durchaus an den Debatten beteiligen soll, denn letztlich geht es ja nicht nur darum, wer jetzt eine 8 und wer nur eine 7.5 kriegt, sondern welche Art von Reiterei wir fördern möchten. Man kann mit Fug und Recht dafür einstehen, dass es vor allem um Ästhetik und Eleganz gehe, dass es hübsch und nett aussehen soll in einer Stilprüfung - und man kann mit ebenso guten Argumenten dafür einstehen, dass es effizient, funktional, sicher und pferdegerecht sein soll, und dass eben genau das dann auch 'schön' oder eben 'stilistisch gut' sei.

Die Siegerin der B2-Stilcup-Wertung in Bülach, Sandra Hämmerli mit Malibu, 8.0. Die beiden wirkten routiniert; auf jeden Fall zeigten sie im von uns beobachteten Streckenteil eine harmonische Vorstellung und die Reiterin konnte es sich offenbar leisten, das Bein nicht immer am funktionalen Platz zu haben und mit relativ wenig Körperspannung zu reiten:

Die Reiterin musste auch nie deutlich werden mit den Hilfen, weder mit den treibenden noch mit den verhaltenden - und das sieht natürlich schön aus. So gesehen ist die 8.0 völlig verdient.

 

Mein Argument für Felix Vogg und Saxo des Champs (4. Rang, 7.5) legte den Fokus auf die perfekte Beinlage, die gute Spannung im Körper, die Balance, den Sitz, die Klarheit der Hilfen, die bei dem noch wenig erfahrenen Pferd auch mal ein wenig deutlicher sein durften. Der Reiter wirkte sicher, stark, funktional, hatte das Pferd geschlossen und an den Hilfen, bewegte sich nie unnötig - und genau das fand ich eben auch 'stilsicher'. Aber mit dem Zögern an dem schmalen, dunklen Wassereinsprung 16A, der eigentlich kein einziges wirklich schönes Bild gab, war der Sieg dann eben doch dahin, weil ein Stopp natürlich immer ein Moment ist, in dem wir unser Pferd nicht perfekt 'vor dem Bein' haben. Nur: Auch die Siegerin hatte einen Stopp - allerdings in einem Streckenteil, den wir nicht sahen (Sprung 10). Also ist doch auch diese Unterscheidung auf wackligem Fundament, oder nicht?



da stimmt doch einfach dreimal alles: Bein, Sitz, Führung, Pferd geschlossen, 'Motor' läuft, beide in guter Spannung und perfekter Balance, Blick des Reiters nach vorn, gute Verbindung zum Pferdemaul

 

Weniger umstritten bei den beiden Stilexperten war Rang 2: Das letztjährige B1-Stilsiegerpaar Ralph Lutz und Beckham überzeugten sowohl funktional wie ästhetisch (7.7):

 

Auch bei Claudia Suter und Ramina waren wir uns einig (3. Rang, 7.6). Die beiden galoppierten die ganze einsehbare Strecke in guter, flüssiger Kadenz und die Reiterin packte die Aufgabe frisch und unkompliziert an:

 

Fünfte mit 7.3 wurde Martina Zimmermann mit Hardy (leider kein Bild).

 

Wie ein Schlussgebet bringen wir nun in jedem Stilreport vor dem 'Amen' nochmals die Beurteilungskriterien, wie sie von Stilrichter Hannes Wendt in Anlehnung an die 'Skala der Ausbildung' formuliert wurden.

Takt bzw. Rhythmus

 Losgelassenheit

Anlehnung

 Schwung

 Geraderichtung

Versammlung

 

Ach, fast vergessen: Amen!