
ergänzt 6.10.09/cam.
Fotos Tamara Acklin
(es gibt von allen Stilcp-Finalisten mehrere gute Bilder, die auf CD oder als Ausdrucke gekauft werden können Bestellungen an: info@swisseventingclub.ch)
Optimale Bedingungen im NPZ Bern
Der Final des CC-Stilcups in der Kategorie B2 wurde im NPZ Bern bei besten Bedingungen ausgetragen. Die IG CC Bern und das bewährte Team des NPZB sorgten für perfekte Organisation und reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Die Geländestrecke war nicht nur pferdefreundlich und technisch interessant gestaltet vom Team um den Technischen Delegierten Peter Hasenböhler, sondern dank reichlichem und intelligent platziertem Blumenschmuck eine Augenweide an dem schönen Herbsttag.
Erfreuliche Preise für die 10 Besten in der Final-Gesamtwertung
29 Teilnehmer kämpften um die Ehre eines Stilcup-Gesamtsiegers und um für diese Kategorie unüblich hohe Geldpreise, die vom Hauptsponsor offeriert wurden, der Bank Wegelin & Co, vertreten durch deren Teilhaber und CC-Elitekadermitglied Michele Moor. Als Co-Sponsoren fungierte primär unser Swiss Eventing Club, von dem auch die Initiative für diesen Cup ausging. Aber auch Reitsport Wittich, das Pferdesportmagazin Kavallo und die CC-Reiterin und Sportfotografin Tamara Acklin beteiligten sich mit vergünstigten Naturalpreisen finanziell an der Unterstützung dieses Projekts.
Verdiente Tages- und Gesamt-Siegerin Steffi Mylius

Steffi Mylius und Skysurfer klassierten sich in mehreren Qualifikationsprüfungen und überzeugten sowohl in der besten Qualifikationsrunde wie auch am Finaltag mit je einer 9.0. Das bedeutete sowohl den Sieg in der Berner Tageswertung, als auch den Gesamtsieg in der Finalwertung. Das routinierte Paar überzeugte durch einen flüssigen und sehr regelmässigen Rhythmus, einen ruhigen Oberkörper in allen Phasen vor, während und nach dem Sprung, einen unmittelbar hinter dem Gurt ruhig und stabil fixierten, effizient einwirkenden Unterschenkel, einen tiefen Absatz und Schwerpunkt, einen ausgezeichnet ausbalancierten ruhigen leichten Sitz, eine beidhändige klare Zügelführung und viel Übersicht. Beweis dafür, dass Steffi nicht nur schön, sondern auch funktional gut und kompetent Cross reitet, ist die Tatsache, dass sie immer in eine gute Absprungzone reitet. Bei vielen durchaus schön sitzenden Reitern, die ihre Pferde zu wenig vor dem Bein und zu wenig geschlossen ans Hindernis reiten, kommt es immer wieder zum sogenannten Redoublieren, zum Hineinflicken eines winzigen Galoppsprungs durch das Pferd, das damit versucht, sich aus der schlechten Absprungzone zu retten, in die sie der Reiter hinein pilotierte.

Mit einem Durchschnitt von 8.5 rangierte Eva Siegenthaler mit Nubia auf dem zweiten Rang der Gesamtwertung. Auch sie zeigte in mehreren Qualifikationsprüfungen rhythmisches Vorwärtsreiten mit gutem Zug und ruhigem, korrekt platziertem Bein und ausgezeichneter Führung. Einzig die etwas zu starke Vorlage bei der Landung nach Absprüngen rechtfertigte die halbe Note Unterschied zur Siegerin.

Knapp dahinter teilten sich Rebekka Wermuth mit Ilona und Jrina Giesswein mit Irana den Bronzeplatz der Gesamtwertung mit einem Durchschnitt aus Qualifikation und Tagesleistung von 8.4. Bei Rebekka (Foto oaben) war es der ab und zu noch leicht nach hinten verrutschende Unterschenkel, der den kleinen Abstand zur Siegerin rechtfertigte.

Dreisternreiterin Jrina Giesswein trat mit ihrem früheren Championatspferd Irana an, die hübsch rundlich geworden ist ins Alter und eigentlich nur noch zum Spass bei so kleinen Turnieren eingesetzt wird. Trotzdem liess sich die ältere Dame nicht lumpen und verhalf der immer sehr effizient reitenden Meisterin zu einer schönen Stilrunde.

Auf den 5. Gesamtrang kam der mit allen seinen Pferden seit Jahren durch seinen ruhigen, gepflegten Stil positiv auffallende Ralph Lutz mit einer Durchschnittsnote von 8.25.

Mit zweimal der Note 8.0 kam die junge Joëlle Bruni auf den 6. Gesamtrang. Sie harmoniert ausgezeichnet mit der hübschen 6-jährigen Stute Misti de Lully aus der Zucht des seit Jahrzehnten erfolgreichen Reiters und Züchters Jean-Jacques Fünfschilling.
Den 7. Rang der Gesamtwertung teilen sich mit einer Durchschnittsnote von 7.75 gleich drei Finalteilnehmer, nämlich - Ladies first -

Pia Menzi und Lothard CH,

Dreisternreiter Jacopo Buss mir seiner Neuerwerbung Wellview Flame und...

...der kraftvoll und effizient, aber noch mit etwas viel Bewegung einwirkende Davide Randone mit Happiness S

Im 10. Finalrang holte sich schliesslich der einzige Romand das letzte Preisgeld. Der begabte junge Frédéric Paratte reitet bei Altmeister Jean-Jacques Fünfschilling und zeigte in Bern ausserordentliches Feingefühl in der Präsentation des wunderschönen 6-jährigen Graffiti de Lully. Es wäre schön, wenn dieses talentierte junge CC-Pferd in der Schweiz verbleiben würde. Mein alter Traum ist, dass sich vermehrt Züchter, CC-Freunde, Sponsoren und Mäzene ähnlich wie in England zusammen tun, sei es einzeln oder als einfache Gesellschaft gute Pferde aus Schweizer Zucht erwerben und sie talentierten einheimischen Reitern zur Verfügung stellen. Zucht und Sport sollten noch mehr zusammen arbeiten - zum Vorteil beider Seiten.
Fortführung und Erweiterung der CC-Stilreiterei
Elitereiter und Wegelin-Teilhaber Michele Moor versprach anlässlich der Preisverteilung, dass seine Bank Wegelin & Co auch nächstes Jahr das Projekt Stilcup weiter unterstützen werde. Wenn es gelinge, auch den SEC und die Regionalverbände für die finanzielle Unterstützung zu gewinnen, werde der Beitrag von Seiten Wegelin & Co sogar noch erhöht. Ziel der Initianten ist es, im nächsten Jahr die Stufe B1 ins Stilprojekt zu integrieren. Ein ausgezeichneter Vorschlag zur Einbindung der Regionalverbände kam bereits von Seiten der beiden CC-Verantwortlichen des OKV und des ZKV. Die vier Regionalverbände könnten je ein paar in der Region ansässige aktuelle oder ehemalige Spitzenreiter als Stilexperten rekrutieren und deren Einsätze dann auch gleich finanzieren. Sobald das Projekt Stilcup 2010 steht, werden wir hier und auf www.mybo.ch darüber informieren. Fernziel ist nach wie vor, dass dereinst die Geländestilnote bei allen Basisprüfungen in die normale Prüfungswertung integriert wird (z.B. Abzug der Stilnote vom Strafpunktetotal). Dies als Anreiz und Motivation für funktionales, pferdefreundliches und damit auch sicheres Crossreiten.
Kritik und Anpassungen des Stilcup-Regelementes nach dem Pilotjahr
Wie sich im Laufe der neun Wertungsprüfungen zeigte, reicht eine einzige Wertnote aus, die anhand der Kriterien begründet wird. Dann erwiesen sich die verschiedenen Abzüge für Vorkommnisse und mehr als 10 Sekunden zu schnelles oder zu langsames Reiten als eher unnötig komplizierend und wettbewerbsverzerrend. Ein Vorkommnis vor den Augen der Experten findet seinen Niederschlag sowieso in der Stilwertung, da das Pferd klar nicht genügend vor dem Bein und/oder geschlossen war, nicht optimal in die Absprungzone geritten oder nicht korrekt herangeführt wurde, es an Übersicht und/oder Rhythmus fehlte etc. Und wer das Vorkommnis irgendwo hat, wo die Experten nicht hinsehen können, soll nicht mehr bestraft werden als der, der stilistisch scheusslich über einen nicht eingesehenen Sprung hopst.
Weiter sollte bei der Auflage 2010 noch ein auch regional breiter verteiltes Expertengremium zum Einsatz kommen. Dieses Jahr waren vornehmlich Leute aus der Ost- und Nordwestschweiz im Einsatz, nämlich Barbara Welten, Stephan Döll, Heinz Scheller, Tamara Acklin, Jrina Giesswein und ich. Einzig für Ecublens konnten wir Jean-Jacques Fünfschilling gewinnen. Wie oben angeregt möchten wir im kommenden Jahr Experten aus allen Regionen finden, die dann auch gleich von 'ihren' Regionalverbänden finanziert werden. So kann auch vermieden werden, dass einzelne Experten zu oft im Einsatz sind und damit vielleicht doch ihre subjektiven Präferenzen zu stark ins Gewicht fallen. Dieses Jahr waren es Barbara Welten und ich, die am häufigsten als Experten fungierten. Wie bei der Dressurrichterei kommt auch bei der Stilwertung trotz detailliert aufgeführter Kriterien in der Gewichtung immer eine subjektive Komponente hinzu. Ich erwischte mich zum Beispiel dabei, dass ich Paare, die mit flatternden Zügeln und langen Hälsen daherkamen, sehr kritisch bewertete, auch wenn das Pferd seinen Job am Sprung ausgezeichnet machte. Auch fliehende Unterschenkel und zu starkes Runterklappen des Oberkörpers am Sprung führte bei mir immer zu einer Reduktion der Wertnote. Vielleicht würde ein anderer Experte diese Mängel milder beurteilen. Bei Barbara Welten war es vor allem das Redoublieren, das Reinflicken von kleinen Galoppsprüngen bei suboptimalem Approach ans Hindernis, das sie scharf bestrafte, auch wenn es bei den geringen Ausmassen von B2-Hindernissen trotzdem noch klappte mit dem fehlerfreien Überwinden. Dies nur als Beispiele für die Subjektivität, die bei Bewertungen immer mitspielt und die man besser diversifizieren könnte, indem wir das Expertengremium vergrössern.
Ein berechtigter Kritikpunkt kam in Bern von Romand-Seite: "C'est dommage que le règlement n'existe pas en français!" - Bei der Neufassung für 2010 werden wir diese Scharte auswetzen!
Yvonne Bont, die in ihrer idealen Doppelfunktion als Auswerterin an den meisten B-Prüfungen und OKV-CC-Chefin die ganze Administration des Stilcups leitete - und dafür eine standing ovation verdient! - und für die dieses Jahr mit all den Abzügen noch etwas komplizierte Auswertung sogar nach Ecublens reiste, wird noch einen Fragebogen an die Teilnehmer des Stilcups verschicken, wo weitere Kritik geübt und Anregungen gemacht werden können. Bitte nutzt diese Möglichkeit, damit wir noch besser werden können. Selbstverständlich könnt ihr euch auch direkt an Yvonne (info@mybo.ch) oder mich (info@marpa.ch) wenden mit euren Anliegen.
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