Leider konnte der Hilfsassistenzfotograf cam nicht von allen Teilnehmern Bilder schiessen - und auch nicht in der legendären ta-Qualität, da er als TT, Fuhr- und Fährmann sowie Heimhüter noch anderweitigen Verpflichtungen nachzugehen hatte...

19.7.10/cam. 55 Paare unterrichtete der brillante britische Trainer Nick Turner in zwei Tagen im Berner NPZ bei idealen Bedingungen. Natürlich kamen die meisten Teilnehmer in den Genuss von zwei Lektionen mit demselben Pferd, und einige SEC-Members ritten zwei oder sogar drei Pferde. Aber für den Trainer galt es, sich immer wieder neu auf die Paare einzustellen, sie dort abzuholen, wo sie gerade angelangt waren. Die meisten waren am zweiten Tag besser - oder eben 'much better', wie Nick nicht müde wurde zu betonen, ein paar wenigen noch sehr grünen Pferden war am zweiten Tag ein wenig Muskelkater oder Müdigkeit anzumerken. Aber alle gingen mit vielen Anregungen und Ideen nach Hause, zumal Nick seine Unterrichtsziele am Freitagabend noch durch einen klugen Vortrag zum Thema 'Rider Training and Responsibilities' nachhaltig untermauerte.

SEC-Präsidentin Bettina Sartori organisierte das Ganze, sorgte dafür, dass Nick nicht verdurstete und verhungerte, ritt mit Rabin fröhlich mit und behielt bei alledem Assistenztrainer Gennaro im Auge

man beachte, wie Gennaro bereits den kontinentalen Meter-Schritt übt, i.U. zu den Briten, die ja bei der Messerei - wie fast überall - ein Extrazüglein fahren..
Skala der Ausbildung
Alle Propheten des Untergangs der klassischen Reiterei können aufatmen: auch der hochdekorierte britische Trainer und Viersternreiter Nick Turner greift auf die altehrwürdige 'Skala der Ausbildung' zurück: Takt - Losgelassenheit - Anlehnung - Schwung - Geraderichtung - Versammlung. Diese 6 Ziele seien im Geländereiten genau so wichtig wie in der Dressur und im Springen. Aber manchmal hilft es, wenn man die bekannten Begriffe nur schon in einer anderen Sprache hört. Bekanntlich sind ja Übersetzungen nie deckungsgleiche Mengen und das entsprechende Wort in der anderen Sprache löst andere Assoziationen und Bilder aus. Wenn es im Englischen für 'Takt' 'Rhythm' heisst, dann können wir uns viel leichterr vorstellen, was damit gemeint ist fürs Geländereiten: die Aufgaben im Cross in einem möglichst regelmässigen Rhythmus lösen, Rhythmusbrecher möglichst vermeiden - (hier kann natürlich auch der Geländebauer viel helfen!). Wenn es für 'Losgelassenheit' im Englischen 'Suppleness' heisst, klingt das auch nicht so langweilig, lasch und spannungslos, wie man das aufgrund helvetischer CC-Dressurrichterei manchmal meinen könnte: Biegsamkeit, Geschmeidigkeit, Wendigkeit, Leichtigkeit, Unverkrampftheit - aber durchaus mit Tempo 600m/Min. unterwegs! Auch die für CC-Ohren etwas steif klingende 'Geraderichtung' leuchtet als englische 'Straightness' leichter ein: das Pferd auch auf ultraschrägen Linien in sich gerade halten, nicht den Schädel in eine Richtung ziehen, das Pferd nicht verkrümmen über den Sprüngen etc. Wenn man die Versammlung oder 'Collection' noch durch 'Geschlossenheit' vor dem Sprung ersetzt, entschwindet auch hier das zwar schöne, aber disziplinfremde Bild eines piaffierenden Dressurpferdes. 'Versammlung' geht uns durchaus auch etwas an, wenn wir uns darum bemühen, das Pferd vor dem Bein an gutem Kontakt geschlossen an den Sprung heran zu führen.
'Riding at speed'
Ich habe schon oft den Eindruck erhalten, dass in CC-Trainings vor allem rückwärts geritten wird und der Trainer die Anzahl Galoppsprünge zwischen zwei Hindernissen ultimativ vorschreibt - in der Regel eben meist mehr Galoppsprünge als sich bei fröhlichem Vorwärtsreiten ergeben - und dann jeden rügt, der die Übung nicht wie vorgegeben löst. Ganz anders Nick Turner. Das erste Ziel ist, die Aufgabe überhaupt zu lösen, dann kommt das Ziel, die Aufgabe möglichst auf einer Linie mit einem in sich geraden Pferd zu bewältigen. Und wenn das alles klappt, kann man damit zu spielen beginnen, ob man die Aufgabe mit mehr oder weniger Speed, mehr oder weniger Galoppsprüngen lösen will. Auch dann bleiben Unterschiede bestehen je nach Galoppsprunglänge eines Ponys oder Pferdes bei unterschiedlicher Geschwindigkeit. Mit Vergnügen erinnere ich wieder einmal an den legendären Murphy Himself, der mit Ian Stark bei der klassischen Heckenkombination mit 20 Metern Abstand 2 (zwei!) Galoppsprünge dazwischen legte - und das Ganze sah völlig 'richtig' aus. Eben richtig für Murphy.
Selbstblockierung durch Ausreden
Wir kennen es alle, von uns selbst oder andern: die faulen Ausreden, wenn etwas nicht gelingt. Bei fremden Trainern oder bei denen, für die wir teuer bezahlen müssen, halten wir uns noch zurück, aber je vertrauter uns die Person ist, die am Boden steht, desto leichter wird die Hemmschwelle überschritten. Es gibt ReiterInnen, die sogar schon während der Flugphase des missglückten Sprungs der (Um-)Welt kundtun, wer oder was alles schuld daran ist. Nur eins ist gewiss: nicht sie selbst. Nick zeigte in seinem Vortrag nüchtern auf, wie wir uns mit Ausreden selbst blockieren. Wenn wir hingegen sachlich nach Gründen suchen und Eigenverantwortung übernehmen, bleibt die Chance intakt, das aktuelle Problem lösen, zumindest uns in Richtung Problemlösung entwickeln zu können. Es lohnt sich zu unterscheiden zwischen Ausreden, die so faul sind, dass es derjenige, der sie benutzt, eigentlich weiss, an die er selbst nicht ernsthaft glaubt. Das ist die harmlosere Variante und mehr so etwas wie ein Ventil für aufgestaute Emotionen. Nachhaltiger blockierend sind die Ausreden, an die wir selbst glauben wie an fundamentalistische Axiome, und die wir nicht zu hinterfragen bereit sind. Ein Schulbeispiel für diese hartnäckigere Art der Selbstblockade lieferte mir vor kurzem eine liebenswürdige, begabte junge Reiterin mit einem superschnellen, springfreudigen Geländeflitzer-Pony, das während der Dressur allerdings dem Zug der Wolken mehr Aufmerksamkeit spendete als den Bemühungen seiner Reiterin. Die junge Dame wurde nicht müde den für sie zwingenden Konditional zu wiederholen "Wenn sie heiss wird, geht sie nicht mehr am Zügel..." und erwies sich für jegliche Problemlösungsansätze unzugänglich. Es nütze alles nichts, denn "wenn sie heiss wird...". Diese fundamentalistische Form der Selbstblockade lohnt es sich genauer anzusehen, nicht nur, aber auch rund um den Pferdesport: wo wiederholen wir gebetsmühlenartig die immer gleichen Sprüche? Welche Gewissheiten sind wir nicht bereit zu überdenken? - Und umgekehrt: wie viel können wir bewirken, wenn wir flexibel, lernfähig, offen bleiben, Entwicklung immer wieder für möglich halten und nicht durch Ausreden blockieren. Macht nicht gerade dies den Umgang mit Pferden so spannend, dass wir nie ausgelernt haben?
Wie sag ich's meinem Kinde...
Im Übrigen erzählt Nick natürlich nicht etwas völlig anderes als wir es gewohnt sind von anderen Trainern. Oft ist es aber das 'Wie', das den kleinen Unterschied ausmacht, ob eine Korrektur akzeptiert wird oder nicht, ob die Stimmung positiv und locker bleibt, auch wenn mal etwas schief geht. Diese Art von Motivation und psychologischer Unterstützung kann Wunder wirken. Wenn ein CC-Pferd hält vor einem Sprung, ist das für mich immer ein 'Problem'. Nicht so für Nick, der dem Reiter ständig sagt, dass das 'no problem' sei und ihm zeigt, wie es gelöst werden kann. Dabei hilft er oft auch mit Körpersprache: er geht neben dem grünen Pferd über den Graben - und es folgt. Er fuchtelt mit den Händen auf der anderen Seite, um den Blick des Reiters auf sich - und damit über das zu überwindende Hindernis hinaus zu locken:

Die Geste von Nick überträgt sich auf die Oberkörperposition von Nicole Kuster. Es war ein Highlight, dass Nicole und der tolle Trigger wieder mitmachten, nachdem sie letztes Jahr so unglücklich gestürzt waren.

Bettina Sartori mit Rabin - einem Pferd aus Nicks Stall, das sich unter den Augen des Chefs natürlich von der besten Seite zeigte.
Steffi Köppel stellte ihr dynamisches Nachwuchspferd Eddy vor...

...hatte aber auch den altbewährten Routinier Pamino dabei

Jenny Eicher kam gleich mit zwei Nachwuchspferden nach Bern

Der noch etwas wohlgenährte Schimmel Robson Peak machte seine Sache ausgezeichnet. Jenny sieht in ihm einen zukünftigen 'Muldi', so leicht und angenehm sei er zu reiten!

...und Forever Cheeky, der seinem Namen ab und zu Ehre machte mit einem frechem Bocksprung nach dem Landen - aber so leicht bringt man die erfahrene Jenny nicht in Wohnungsnot
Altmeister Ruedi Isler wollte wieder mal CC-Luft schnuppern und kam mit Top-Springpferd Touch the Diamond ins Gelände ("Wisi Fuchs bringt mich um, wenn er erfährt, was ich mit ihr mache!")

Philipp Kühne war mit Nachwuchspferd Dalandos und dem erfahrenen Steppenwind in Bern:

Adrian Ott ritt nebst Master Gene auch Nachwuchsstute Della Casa, die sich immer mehr zum veritablen CC-Pferd mausert:

Francine Hungerbühler im ersten Geländetraining nach der einjährigen Verletzungspause ihrer schönen Stute Singsing:

Conny Felder mit dem begabten, schlitzohrigen Zokker King:

Karin Looser mit dem bereits in B-Prüfungen erfolgreichen Nachwuchs-Crack Mr. Mortimer:

Tanja Widmer mit Filene des Enfers - einem Ferrari mit 2CV-Bremsen. Nach dem zweiten Bremsversuch lobte Nick: "400 meters better!"

Brigitte Peterhans ritt zwei noch recht geländeunerfahrene Pferde wie gewohnt frisch und 'anpackig':

Mirjam Müller mit einem Big-Smile auf ihrem Gulliver:

Tamara Acklin nutzte die Gelegenheit gleich mit 3 Pferden:

Die langbeinige Traki-Dame Poly kam am zweiten Tag so richtig auf Touren.

Ein hübscher (Hasenböhlerscher?) Besen auf Rechtswendung nach Wallabsprung, den die Reiterin unbedingt auch mit Sam noch probieren wollte, nachdem es mit Poly geklappt hatte. Nick riet eher ab - und als es gelang, rief der humorvolle Brite: "I told you it will be great!" -Worauf dann zu seinem Schrecken alle andern auch wollten...

'Turbopony' Haya geriet etwas ausser sich, als sie nach 10-monatiger Pause erstmals wieder ' Baumstämmli' hüpfen durfte.

Heinz Scheller tut zwischen den Einsätzen etwas für die Nerven seines Cory
Nebst zweibeinigen Zaungästen...

... gab es auch einige vierbeinige, die zum Rechten sahen...

...wie Adi und Cindy, an Anja...

...sowie Emel und Mäx, an einem Busch festgemacht. Die logischen Paarungen wären ja Adi und Emel, sowie Mäx und Cindy, aber vorläufig gibt's mal Adi-Cindy-Nachwuchs! Es ist halt immer auch eine Frage der Gelegenheit...

Der legendäre 'Familien-Filz': Es sind nämlich bereits 3 (drei!) Generationen, die im SEC mitmischen: Finanzministerin Rosmarie Niederer, Präsidentin Bettina Sartori-Niederer und Assistenz-Trainer Gennaro Sartori. Wie aus gut unterrichteter Quelle zu erfahren war, ist damit zu rechnen, dass sich beim nächsten Training auch Bruder Fabio dazu gesellen könnte...
Herzlichen Dank!