11.2.10/cam. Seit der Verein SEC über eine Online-Plattform verfügt, wogt ein teils mir harten Bandagen geführter Kampf um die Inhalte und die Formen, in denen diese Inhalte präsentiert werden dürfen bzw. sollen. Kurz zusammengefasst sind es folgende Positionen, die von wechselnden Parteien in wechselnder Heftigkeit vertreten wurden und werden:
1. Die SEC-Webseite dient einzig dem Datenkonsum
Erwartet wird von diesen Endverbrauchern eine reine Gratis-Dienstleistung. Man soll hier bereits anderswo vorhandene Ausschreibungen, Resultate, Reglemente, Dressurprogramme, Datenkalender und ähnliche Informationen rund um den CC-Sport so zusammengestellt finden, dass man Zeit spart, indem man sich diese Daten nicht selbst zusammensuchen muss.
2. Die SEC-Webseite ist ein 'offizielles Vereinsorgan'
Zur Stützung dieser Sicht werden Analogien zu anderen Vereins- oder Verbandsmedien gemacht, z.B. dem Bulletin des SVPS, dem ZKV-Mitteilungsblatt, den zwei Seiten OKV-Mitteilungen in der PW etc. Die einfachste Analogie ist meines Erachtens das Anschlagbrett der Pfadi oder anderer Vereine und Unternehmen, wo schlichte Daten kommuniziert werden. Es handelt sich in aller Regel um sogenannte 'einseitige Übermittlung' wie im militärischen Diskurs. Daraus ergibt sich leicht nachvollziehbar, dass in all diesen Medien kein Meinungspluralismus gefragt ist wie in einem unabhängigen Medium eines Landes mit Meinungsäusserungsfreiheit. Inhalt dieser 'Anschlagbretter', seien es nun konkret im Wald stehende Bretterkästen, in Unternehmenskorridoren angebrachte Kunststoffplatten, gedruckte Heftli oder virtuelle Webseiten, bilden offizielle Verlautbarungen der Machthaber bzw. Funktionsträger und allenfalls von ihnen abgesegnete Texte. Damit sind Kontroversen, Debatten, Diskussionen zum Vornherein ausgeschlossen. Leichte Öffnungen in Richtung eines freieren journalistischen Selbstverständnisses werden in der Regel sehr schnell wieder abgeblockt, da sie die Stabilität der Machtverhältnisse gefährden könnten. Anhand des Umgangs mit Kommunikation und Meinungsäusserungsfreiheit lässt sich auch die Selbstpositionierung eines Kollektivs zwischen Diktatur und Demokratie ablesen. Unter diesem Aspekt treffen wir in unserem sich doch so urdemokratisch wähnenden Land auf erstaunlich viele diktatorische Machtstrukturen. Vor allem nationale Sportverbände, die aufgrund ihrer Verknüpfung mit einem internationalen Dachverband oft über eine Monopolstellung verfügen, zeigen bei genauerem Hinsehen oft gar keine oder nur vorgetäuschte demokratische Strukturen. Der SVPS bildet diesbezüglich meines Erachtens leider keine Ausnahme.
3. Die SEC-Webseite ist ein PR-Instrument
Die Verfechter dieser Auffassung orientieren sich am Ziel einer polierten Aussenwirkung. Der Seitenkonsument soll das Bild eines homogenen, harmonischen Kollektivs erhalten, das reibungsfrei und wie geölt funktioniert und in dessen Welt immer die Sonne scheint, vergleichbar den SVP-Plakaten mit dem 'Süneli'. Statements von verschiedensten Seiten sind zwar durchaus gefragt, aber nur wenn sie die intendierte Werbewirkung verstärken. Sie sollen helfen, den Eindruck zu festigen, dass alle glücklich und zufrieden sind mit den Produkten, die hier angeboten werden sollen. Ziel dieser Art von Mediennutzung ist z.B. das Finden von Sponsoren, die Polierung des Images in der breiteren Öffentlichkeit, die Gewinnung von Nachwuchs etc. - lauter wunderschöne Ziele, die es aber erforderlich machen, alles, was diesem geglätteten und geglänzten Bild nicht entspricht, unter den Tisch zu kehren. Man kennt diese Art von PR-Journalismus vor allem von der - m.E. kurzsichtigen - Krisenkommunikation grosser Kollektive: da wird beschwichtigt, beschönigt, abgestritten, verharmlost - und immer nur soviel zugegeben, wie schon unumstösslich erwiesen ist. Meist erweist sich dieses verzweifelte Retten eines untadeligen Images als Bumerang, nämlich dann, wenn auskommt, was alles nicht so ist, wie es sein sollte - und wie lange schon.
4. Die SEC-Webseite ist eine interaktive Kommunikationsplattform und will einen Beitrag zur Entwicklung des CC-Sports leisten
Hier wird im Zweifelsfall das Ziel der geglätteten PR-Wirkung hinter die freie Meinungsäusserung gestellt. Solange das geltende Recht eingehalten wird und der Beitrag sich im weitesten Sinne zum Thema Reiterei und CC-Sport äissert, hat er Platz. In unserem Fall der SEC-Webseite hat sich aber über all die Jahre gezeigt, dass nur höchst selten sich jemand ausser dem verantwortlichen Redaktor die Zeit nahm, sich zu Wort zu melden. Schon das Ergattern von Resultatlisten oder gar Fotos von besuchten Veranstaltungen gestaltete sich als schwierig und selten, getreu dem Grundsatz der Entropie, dass Materie immer nach dem Energieminimum strebt. Und wenn es jemand versuchte, sich mit seiner Meinung einzubringen, so fehlte oft die für einen beachtenswerten Beitrag nötige Denk- oder Schreibkompetenz oder beides. So entstand eben sehr oft der Eindruck, es herrsche zwar Freiheit, aber nur einer nütze sie, was dem angestrebten Meinungspluralismus natürlich nicht förderlich war. Trotzdem zeigte sich in den Reaktionen immer wieder, dass genau diese Kommunikationsplattform und die vielen guten Sportfotos das waren, was zur Attraktivität der SEC-Webseite entscheidend beitrug.
Die Kritiker der Webseite wählten meist den Weg des geringsten Aufwandes und hofften, durch ein Zudrehen des Geldhahnes auch die freie Meinungsäusserung abzutöten und damit die Webseite automatisch auf die oben unter 1. bis 3. skizzierten Ziele reduzieren zu können. Das erste Ziel haben sie nun erreicht: Der Club zahlt der Redaktion nichts mehr für ihre Arbeit und diese muss nun versuchen, sich mit Werbung über Wasser zu halten. Was die Hahnzudreher in ihrer destruktiven Haltung vergassen, war, dass es meines Wissens weltweit keine Webseite gibt, die wirklich aktuell gehalten wird und auch für Werbetreibende attraktiv ist, wenn das Redaktionsteam nichts verdient bzw. keine freie Meinungsäusserung herrscht. Das lässt sich bei allen helvetischen Vereins- und Verbands-Webseiten leicht nachvollziehen. Die Betreiber der SVPS-Webseite beispielsweise sind zwar gut bezahlt, aber das Medium wird nur zum Datenkonsum und zur Online-Nennung genutzt. Aufgrund dieser vielen 'Zwangs-Besuche' kann sich Werbung trotzdem lohnen. Aber ich habe noch nie - weder von Schweizern noch von Ausländern - gehört, sie sei journalistisch attraktiv. Ähnlich ist es mit den vielen Reitvereins-Webseiten. Sie dienen der Datenvermittlung und bewirken weder Debatten noch Nachdenken über reitsport- bzw. pferdespezifische Themen - und tragen damit auch nichts zur Entwicklung des Sports bei. Beim Bulletin des SVPS ist zurzeit eine interessante Entwicklung zu beobachten, die noch vom früheren Präsidenten eingeleitet wurde. Mit der Serie über 'Korrektes Verhalten dem Pferd gegenüber' wurde ganz klar seitens des Chefredaktors subjektiv Stellung bezogen. Ob allenfalls andere Meinungen auch publiziert worden wären, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wäre ein Schritt in die Richtung eines freieren journalistischen Konzepts gewesen. Bis anhin war das Bulletin vergleichbar einer Regierungspostille wie der früheren sowjetischen Iswestija oder der ägyptischen Al Ahram oder den Berlusconi-Medien. Von weitem oder für den naiven Konsumenten sieht so etwas aus wie ein echtes meinungspluralistisches Medienprodukt. Genauer betrachtet steht nur drin, was die jeweiligen Diskursbeherrscher für richtig bzw. gültig erachten.
Widersprüchliche Ansprüche
An der Mitgliederversammlung des SEV vom 5.2.10 zeigte sich nun deutlich, dass die widersprüchlichen Ansprüche an die SEC-Webseite definitiv nicht alle unter einen Hut zu bringen sind. Zensur ausüben funktioniert insofern nicht, als es erstens eines gewissen Engagements und einer minimalen Kompetenz bedarf, diese auszuüben und zweitens sich die mit der bisherigen Redaktion nur gerade in ihrem Nichteinverstandensein einig waren, aber in keiner Weise darin, was denn an Inhalt positiv gefragt sei. Aber auch wenn noch ein Zensor, eine Zensorin gefunden werden könnte, passt es nicht, ein offizielles Sprachroh dann nicht zu bezahlen; dies wäre angesichts des Aufwandes inakzeptabel und würde dazu führen, dass die Webseite vielleicht noch ein paar Monate von alternativen Amateuren in einer ersten kindlichen Begeisterung weiter geführt und dann - wie die meisten privaten sogenannten Homepages auch - in Bälde vernachlässigt und damit wertlos würde. Der Anspruch des für freie Meinungsäusserung plädierenden Redaktors, dass sich vermehrt Mitglieder zu Wort melden würden, scheitert an deren Bequemlichkeit und/oder Inkompetenz. Es ist natürlich leichter, nur zu schreien, wenn irgendwo irgendwas steht, was einem nicht passt, als selbst etwas Schlaueres zu schreiben.
Dann muss man der Gerechtigkeit halber auch darauf hinweisen, dass weder Denk- und Sprachkompetenz noch die Bereitschaft, sich an Debatten rund um den Reitsport zu beteiligen in irgendeiner Weise zu den für die Ausübung des Reitsports unabdingbaren Eigenschaften gehören, und dass die helvetische CC-Gemeinde derart winzig ist, dass man rein statistisch gesehen schon nicht mit allzuvielen Diskursteilnehmern rechnen darf. Kommt weiter dazu, dass sich die Eidgenossen in der Regel lieber in ihrem Dialekt am Stammtisch äussern und im Unterschied zu ihren Sprachgenossen aus dem nördlichen Nachbarland selten über die Zivilcourage verfügen, im öffentlichen Diskurs mutig zu einer eigenen Meinung zu stehen. Das Nichtmitmachen liegt also meines Erachtens nicht nur an der mangelnden Bereitschaft, Zeit dafür aufzuwenden und der mangelnden Kompetenz, sich auszudrücken, sondern oft auch an der Feigheit, durch einen klaren Positionsbezug angreifbar zu werden, es nicht mehr allen recht machen zu können und dadurch irgendwelche Nachteile zu erleiden. Vor allem von seiten aktiver Reiter habe ich dieses Argument oft gehört: 'Wenn wir öffentlich Kritik anbringen, lassen die uns womöglich nicht mehr starten oder wir handeln uns sonstige Nachteile ein." - Unter dem oben erwähnten Aspekt, dass der SVPS eine Monopolstellung hat und der Sporttreibende auf Gedeih und Verderb auf die Funktionäre angewiesen ist, die an den Schlüsselstellen sitzen und nicht umgangen werden können, eine verständliche Zurückhaltung.
Die salomonische Lösung

Der legendäre König Salomo bei der Meinungsbildung...
Die Lösung basiert auf der Herrlichkeit der Vernetzung des Worldwide Web. Die SEC-Seite wird reduziert zu dem, was ich unter 1.-3. skizziert habe, alles, was darüber hinaus geht, alles, was nach gängiger Vorstellung nicht mehr reiner Datenkonsum oder völlig harmloses Wohlfühl-Reporting von Veranstaltungen ist, wird ausgelagert auf die Webseite meines Unternehmens Marpa Communications, wo ich einen Navigationspunkt 'HORSES' eingeführt habe. In der Anfangszeit führt alles, was auch nur im geringsten auf einer interpretatorischen Eigenleistung beruht, zuerst auf ein Warnungs-File, wo der User noch einmal deutlich auf die Freiwilligkeit seines Weiterklickens und auf die Gefahren, die ihm dabei lauern könnten, hingewiesen wird.
Ich habe bei Stephan Döll gelernt, dass man sich beim Unterrichten immer am schwächsten anwesenden Reiterpaar orientieren muss. Genau das versuche ich hier auch zu machen und habe deshalb auch für des Lesens weniger Kundige oder Willige rein durch die Wahl der Hintergrundfarbe den Unterschied optisch markiert. Sobald man also von den grün hinterlegten auf diese rotbräunlich hinterlegten Files kommt, sollte das für die Betreffenden ähnlich wirken wie die rot aufleuchtenden Bremslichter des vor uns fahrenden Fahrzeuges im Strassenverkehr. Ohne zu überlegen gehen wir auf die Bremse. Bei den Files würde das heissen: schliessen oder zurück zu den grün hinterlegten! Zudem steht auf den Wahlplattformen - zurzeit sind es unter HORSES erst die vier Unterkapitel 'Horsemanship', 'Interviews', 'Kolumnen' und 'Kritische Gedanken' - als Erinnerung unter dem Titel, dass man sich auf www.marpa.ch befindet. Mehr fällt mir im Moment zum Schutz der schwächsten Mitmenschen nicht ein, aber ich bin offen für Ideen aus dem Kreis der mit selbigen mitfühlenden SEC-Mitlgieder.