Management des Militarypferdes

Interaktiver Workshop der Disziplin CC in Avenches

Die Disziplinleitung Concours Complet lud am Sonntag zum zweiten interaktiven Workshop nach Avenches. Die beiden Tierärzte Dominik Burger und Katja von Peinen referierten zum Thema 'Management des Militarypferdes einschliesslich der neuesten Forschungsresultate in der Praxis'.

16.3.09/ta. Disziplinleiter CC Marc-Henri Clavel und Sportchef Hans Bienz benutzten die Gelegenheit, den hälftig aus der Romandie und der Deutschschweiz angereisten Teilnehmern des Workshops die neusten Änderungen im Reglement CC der FEI zu erläutern. Glücklicherweise war auch Cathrine Norinder von der FEI zugegen und konnte einige der vorgestellten Änderungen der letzten Tage gleich wieder dementieren und über den heute gerade gültigen allerletzten Stand der Neuerungen informieren. So wird die Zerstörung eines deformierbaren Hindernisses in FEI-Prüfungen nicht mit der Elimination des Paares, sondern mit 25 Strafpunkten geahndet.

'Berufskrankheiten'
Teamveterinär Dominik Burger begann mit der Evolution des Athleten Pferd, der sich über 55 Mio. Jahre entwickelte. Er verglich Galopprennpferde, Spitzenspringpferde, Dressurpferde und Endurance-Pferde mit den CC-Pferden anhand von Untersuchungen der 'Berufskrankheiten'. Ein interessanter Aspekt sei z.B. das Vorkommen von Fesselträgerproblemen und Sehnenproblemen im Zusammenhang mit Sandboden bzw. hartem Terrain und unterschiedlichem Alter der Pferde. Aktuelle Untersuchungen an internationalen CC-Prüfungen in den letzten Jahren in Avenches zeigten, dass je höher die Rektaltemperatur der Pferde war, desto weniger gut erholte sich das Pferd, was sich auch in der schlechteren Leistung im Springparcours am Folgetag niederschlug. Wie sich bei Untersuchungen beim Menschen zeigte, lässt sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Körpertemperatur des Athleten am Start und der Leistung im Wettkampf herstellen: Sportler, die mit einer – durch aktive Kühlung erreichten – tieferen Innentemperatur starteten, zeigten eine bessere Performance.

Regenerationszeit

Katja von Peinen vom Leistungszentrum des Tierspitals Zürich referierte zum Thema Training und Leistung. Sie zeigte die drei Muskelfasertypen, die unterschiedlich schnell und stark und für Unterschiedliches zuständig sind. Typ I kontrahiert relativ langsam, verfügt aber über eine hohe oxydative Kapazität und ist wichtig für Ausdauerleistungen. Typ II B hingegen kontrahiert sehr schnell – wichtig für explosive Muskelkonzentrationen wie beim Absprung – und hat eine hohe glykolytische Kapazität, ist also weniger von der Sauerstoffzufuhr abhängig, kann aber nur für eine beschränkte Zeit Energie liefern; der dritteTyp II A liegt dazwischen. Die aerob-anaerobe Grenze, also die Schwelle zwischen der Energiebereitstellung mit und ohne Sauerstoff, oberhalb derer das Laktat im Blut nicht mehr zeitgerecht abgebaut werden kann, was dann zur bekannten Übersäuerung führt, liegt zwischen zwei bis vier Millimol Laktatkonzentration im Blutplasma. Diese Grenze wird bei explosiven Muskelanspannungen wie z.B. bei einem Sprung regelmässig für ganz kurze Zeit überschritten, wogegen zum Beispiel Distanzpferde fast immer im aeroben Bereich, also mit Sauerstoff-Energie laufen. Aus diesen Gründen ist laut den Referenten die Regenerationszeit nach einem Cross ein ganz wichtiger Punkt im Management des CC-Pferdes. Die Erholungszeit nach Prüfungen und harten Trainings muss unbedingt lange genug sein, damit ein Pferd wieder voll belastet werden kann. Die Verletzungsgefahr steigt mit zu kurzer Erholungszeit. Burger ergänzt, dass ein grosser Teil der Pferde übergewichtig seien und viele eher über- als untertrainiert. Um Daten dazu zu erheben, machen ein paar CC-Pferde an einer Studie am Leistungszentrum Zürich mit, wo sie im Alltag, im Training und an Prüfungen mit einem Pulsmesser ausgerüstet werden und während der Saison drei Laufbandtests absolvieren. Im ersten Jahr zeigte sich, dass die Werte der sogenannten Mehrstufenbelastungstests in etwa gleich blieben. Um klarere Erkenntnisse zu gewinnen, werden die Studie fortgesetzt und weitere Pferde aufgenommen.

Gesund zum Saisonstart
Burger erläuterte im dritten Teil zu Beachtendes rund um die Fütterung, den Transport, die Ausrüstung und das Management am Turnier. Er appellierte an die Reiter, in der Winterpause primäre und funktionelle Probleme ihrer Pferde zu erkennen und gezielt zu behandeln. Wir sollten alles daran setzen, mit einem physisch und psychisch gesunden Pferd in die CC-Saison zu starten. Neben präventiven Abklärungen der physischen Einsatzbereitschaft gilt es auch auf die Motivation des Pferdes einzuwirken mit abwechslungsreichem Training und massvoll steigernden Anforderungen. Und nicht zuletzt sollten wir darauf achten, dass auch wir CC-Reiter physisch und psychisch fit in die grüne Saison starten.