Die Disziplin CC SVPS lud am 19. Dezember zum Workshop mit dem erfolgreichsten deutschen Vielseitigkeitsreiter, der Weltranglisten Nr. 4, Michael Jung und dessen Vater und Trainer Joachim Jung.
(ta) Doris Weidmann holte Michael Jung zusammen mit seinem Vater und Trainer Joachim Jung in die Schweiz zu einem Workshop, der über 70 interessierte CC-Fans nach Lenzburg lockte. Michael Jung gewann diese Saison mit seinem Muskelprotz ‘Sam‘, dem zurzeit erfolgreichsten Vielseitigkeitspferd der Welt, das Viersterneturnier in Luhmühlen – nota bene die allererste Viersterneprüfung für Michael und auch für Sam. Die Erfolgsserie ging weiter mit dem Sieg des Weltcupfinals in Strzegom und dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Europameisterschaften in Fontainebleau. Michael und Joachim Jung gaben anhand von kommentierten Videoausschnitten aus diesen drei Prüfungen einen Einblick in ihr Erfolgsrezept und standen Red und Antwort.

Individuell und abwechslungsreich
Die Familie Jung führt in der Nähe von Stuttgart einen Reitbetrieb in dritter Generation. Michael reitet nicht nur in der Vielseitigkeit auf S-Niveau, sondern auch in der Dressur und im Springen. Insgesamt stehen ihm 18 Turnierpferde zur Verfügung, die er gezielt auf die grossen Aufgaben vorbereitet. Die Jungsche Ausbildung ist individuell und mit viel Abwechslung für die Pferde gestaltet. Diese werden in der Regel zwei Mal täglich bewegt, lieber kürzer, dafür öfter. Sie sind viele Stunden auf der Weide, gehen Ausreiten, werden gymnastiziert und in der grossen Halle mit Hilfspersonal in der Mitte aussen rum im Trab und Galopp auch mal ohne Reitergewicht bewegt. In der Regel gehört einmal im Tag dressurmässige Arbeit zum Programm, dies kann aber auch im lockeren Stil springmässige Dressurarbeit sein. Wichtig ist den Jungs auch die mentale Verfassung, die gute Laune der Pferde und sie unternehmen einiges, um die Pferde bei guter Laune zu halten. Steht mal ein Problem an, wird daran gearbeitet, konsequent, aber möglichst locker und darauf achtend, dass die Arbeit mit einer guten Erfahrung für das Pferd endet. Zur Motivation und zur Auffrischung der Gelände-Kompetenzen auch der Top-Pferde baut Michael auch immer wieder kleine Geländeaufgaben ins Alltagsprogramm ein. So galoppiert er nach getaner Dressurarbeit gerne mal kurz durchs Wasser oder übt an bestimmten Hindernistypen wie schmalen Sprungfolgen auf gebogener Linie – auch hier gilt lieber weniger, dafür öfter mal, und stets auf kleinem Niveau. Also auch Superstar Sam, der in seiner ganzen Karriere nur eine einzige Verweigerung als 6-jähriger Youngstar auf dem Bundes-Championat zu verzeichnen hat, ein Pferd, das eigentlich alles kann, darf trotzdem immer mal wieder eine Kleinigkeit auf der heimischen Wiese hüpfen, die mit vielen kleinen Geländehindernissen bestückt ist, die aber alle nicht höher als auf Einsterne-Niveau aufgebaut sind.
Pausen und Ziele
Nach einem grossen Turnier geniessen die Pferde viel Weidegang und je nachdem lockere Ausritte. Auch nach Saisonschluss gibt’s eine verdiente Pause, die aber nichts mit ‘Wegstellen‘ zu tun hat, die Pferde werden locker und abwechslungsreich bewegt, aber immer bei Laune gehalten. So genoss auch Sam nach seinem Bronzemedaillengewinn im September viele Wochen die Weide und wird nun ganz behutsam auf das nächste grosse Ziel hin vorbereitet, die Weltreiterspiele in Kentucky. Er wird die kommende Saison mit einem ‘bescheidenen‘ Zweisterneturnier beginnen und sich dann, bei gutem Verlauf, steigern. Insgesamt geht er aber nicht mehr wie sechs Prüfungen in einer Saison.

Fragestunde
Michael und Joachim Jung gaben bereitwillig auf unzählige Fragen Auskunft, vom Turniermanagement über die Fütterung, die Ausrüstung, die Stollen bis zu den Entwicklungstendenzen im modernen Crossbau. Auch delikate Fragen wie das denn funktioniere, wenn der Vater gleichzeitig der Trainer sei und ob Sam wohl auch nach den Weltreiterspielen von Kentucky im Beritt Michaels bleibe, wurden offen und mit Weitsicht beantwortet. Beim anschliessenden gemeinsamen von der Disziplin CC offerierten Fondue ergaben sich noch weitere Gelegenheiten für die Schweizer Reiter, von den Erfahrungen dieser verschworenen Buschreiter-Familie zu profitieren.